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Fehlstart

Elena Krafft hat an der FH Münster CALA studiert. (Foto: privat)

"Heute ist es hier dunstig und nebelig - bei 25 Grad. Wir hatten einen kleinen Sandsturm", sagt Elena und man hat das Gefühl, sie würde in ihrer Heimatstadt Münster und nicht in der größten Stadt der Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sitzen. Gerade hat sie Mittagspause, die sie nutzt, um ihre Geschichte zu erzählen, die sie nach Dubai geführt hat. Alles begann damit, dass sie über Umwege zum CALA-Studium kam. "Ich hatte - zusätzlich zu Englisch und Französisch - in der Schule Spanisch und Italienisch gewählt, war in Mexiko und Costa Rica und wollte Dolmetscherin werden." Insgesamt spricht die Essenerin, die in Münster aufgewachsen ist, mit Portugiesisch sechs Sprachen. "Sprachen ermöglichen es einem, mit Menschen in Kontakt zu kommen, Türen zu öffnen, Erfahrungen zu teilen, in Kulturen einzutauchen und Freundschaften zu knüpfen." Das war ihr schon immer wichtig. Deshalb wollte sie diese Kompetenzen auch zu ihrem Beruf machen. An der Uni Mainz, Außenstelle Germersheim, "mitten im Nirgendwo", angekommen, merkt sie jedoch, dass ihr das reine Übersetzen nicht ausreicht. Ihr fehlt das anspruchsvolle Verknüpfen von Sachverhalten unter Einbezug von Zahlen, Daten und der eigenen Kreativität. Sie hört auf ihr Gefühlt und erinnert sich dunkel an einen Studiengang in ihrer Heimatstadt, bei dem sowohl Sprachkenntnisse als auch BWL-Kenntnisse zählen: CALA!

CALAyourlife

"Ich habe mich dann für ein CALA-Studium an der FH Münster beworben. Vor den Auswahlgesprächen hatte ich wirklich Respekt, weil die meisten anderen Bewerber schon mehrere Monate in Lateinamerika gelebt hatten." Aber es klappte und Elena schrieb sich für den Studiengang im Wintersemester 2012/13 ein. Eine Entscheidung, die sie nicht bereut. "Das Schönste an CALA ist, dass wir wie eine Familie sind: Man lernt, man leidet und feiert Erfolge zusammen." Im vierten Semester vertieft Elena Logistik und Marketing und macht auch Praktika in beiden Bereichen. "Dabei habe ich gemerkt, dass das für mich nicht passt." Für sie eine wichtige Erkenntnis. Die kommende Zeit in Kolumbien nutzt sie dafür, neue Leidenschaften zu entdecken.

Schwarzwälder-Kirsch-Torte backen in Kolumbien

Elena geht nach Bogotá, die Hauptstadt Kolumbiens. "Ich fand das Studiensystem dort an der Universidad de La Sabana sehr gut. Dort wird man viel häufiger in kleinen Tests evaluiert und weiß, wo man wissenstechnisch steht und schreibt nicht nur einmal zum Semesterabschluss Klausuren." Das agilere Wissenssystem fasziniert sie. Auch das Verhältnis zum Lernen ist in Kolumbien viel entspannter. "Der Notendurchschnitt zählt nicht so viel wie in Deutschland" und die Kommiliton*innen sind sehr kontaktfreudig. Elena schnuppert bei Claudia Umanzor (die nun heute an der FH Münster lehrt) in den Bereich Innovation und Entrepreneurship hinein. "Ich habe sofort gemerkt, dass das mein Thema ist." Sie beginnt daraufhin deutsche Nachtische zu verkaufen, um die Urlaubskasse etwas aufzubessern. "Schwarzwälder-Kirsch-Torte zum Beispiel. Entrepreneurship gehört in Kolumbien einfach dazu, weil der Arbeitsmarkt nicht so viele Jobperspektiven bietet. Deswegen haben viele Kommilitonen neben der Uni an eigenen Projekten gearbeitet, um etwas Geld hinzuzuverdienen." Ein Kommilitone lieferte Sachen aus, wieder ein anderer betrieb mehrere eigene Fitnessstudios. "Der Bereich Entrepreneurship hat in Kolumbien einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland."

Kolumbien ist immer eine Reise wert

Karneval in Barranquilla. (Foto: privat)

"Wir CALAs sind viel gereist und haben den Amazons, die Wüste, den Pazifik, den Regenwald und die ganze Vielfalt der Region kennengelernt." Noch heute schlägt Elenas Herz für Kolumbien - hat sie dort doch auch ihren heutigen Partner kennengelernt. Der Kolumbianer spielte mit ihren CALA-Kommilitonen in einem Fußballteam. 2016 kam er mit ihr nach Deutschland und bis heute sind sie ein Paar.

Die schönste Erinnerung an Elenas Studienzeit stellt die große Karnevalsfeier in Barranquilla an der kolumbianischen Karibikküste dar. "Dafür sind extra 15 CALAs aus ganz Lateinamerika angereist und es war eine unvergessliche CALA-Party." Als besonders schön hat sie auch den engen Kontakt zu den kolumbianischen Professor*innen in Erinnerung behalten, die sich auch in der Freizeit gemeinsam mit ihren Familien und den Studierenden getroffen haben. Das Konzept von CALA begeistert sie so sehr, dass für sie klar ist: "Ich möchte noch einen internationalen Doppelmaster machen."

Die CALA-Truppe beim Karneval in Barranquilla. (Foto: privat)

Einen Masterstudiengang in Kolumbien kann sie nicht finanzieren, deshalb geht sie nach Europa zurück und findet nach dem erfolgreichen Abschluss ihres CALA-Studiums 2016 an zwei kooperierenden Unis in Brüssel und Mailand den passenden Master in Innovation und Entrepreneurship mit globalem Fokus. Dort lernte sie vor allem, in internationalen Teams zu arbeiten, "wir waren 35 Leute aus 25 Ländern", und mit Kreativität Methoden, Prozesse und Konzepte zu erarbeiten. Auch baute sie sich in dieser Zeit ein weltweites Netzwerk auf. Parallel engagierte sie sich als Übersetzerin bei der Kindernothilfe. Ihr alter Wunsch, Dolmetscherin zu werden, hat sie hier für die gute Sache eingesetzt.

Innovation als Job

Elena Krafft gibt ein Innovationstraining für Regierungsmitarbeiter in Abu Dhabi. (Foto: privat)

Ihre Masterabschlussarbeit schreibt sie 2018 in Form eines Business Plans für ihre eigene Startup Idee und arbeitet nebenbei als Werkstudentin in ihrer Heimat, dem Münsterland, bei dem Logistikunternehmen FIEGE im Bereich Innovation Management. Danach ist sie sich sicher: "Das ist mein Ding." Da ihr Partner, der in der Zwischenzeit in Münster Deutsch gelernt hat, nun ein Masterstudium in Österreich aufnimmt, ist es dieses Mal an Elena ihm zu folgen. Ihren ersten Job findet sie 2019 in Wien als Innovation Managerin bei einem kleinen Innovations-Beratungsunternehmen. Aber das Schicksal hat einen anderen Plan: Dem Wiener Unternehmen geht es nicht gut und es müssen Stellen gekürzt werden. Elenas Stelle ist auch dabei. "Da musste ich dann schnell überlegen, was ich mache." Die heute 29-Jährige stellte ein Jobgesuch bei LinkedIn ein. Kurz darauf bekam sie ein Jobangebot von ihrem heutigen Manager und die Frage gestellt, ob sie sich vorstellen könne, nach Dubai zu gehen. "Ich dachte zunächst, nein, auf keinen Fall." Dann habe sie aber ein erstes Videogespräch geführt und habe gemerkt, dass das ihr Traumjob wäre, bei dem sie Projekte entwickeln und managen darf, um Innovationen in den öffentlichen Sektor der VAE zu bringen. "Mein Partner hatte da gerade ein Auslandsemester in Südkorea geplant und ich dachte, dann kann ich auch nach Dubai gehen. Drei Wochen später saß ich bereits an meinem Schreibtisch im 26. Stock und habe meinen ersten Kunden-Workshop vorbereitet." Und dann kam Corona und anstatt sich wie zuvor regelmäßig gegenseitig zu besuchen, hatten sie plötzlich eine ZOOM-Beziehung.

In Dubai zu Hause

Burj Khalifa, das mit 828m derzeit höchste Gebäude der Welt, in Dubai. (Foto: privat)

In Dubai fühlt Elena sich zu Hause, was auch an ihrem internationalem Freundeskreis, den besonderen Freizeitmöglichkeiten und dem tollen Wetter liegt. Zwei Mal in der Woche hebt sie Gewichte im Fitnessstudio und geht zum Afro-Zumba und wenn es wieder wärmer wird, will sie noch Wakeboarding lernen. "Ich bin hier erst einmal angekommen." Unter anderem hat sie auch einen Absolventen der FH Münster aus dem European Business Programme in Dubai kennen gelernt: Oliver Rüschhaupt. "Am Wochenende treffen wir uns, um zusammen in der Wüste eine Radtour zu machen. Nächstes Wochenende grillen wir dort auch zur Feier von Olivers Geburtstag, da bringe ich dann deutschen Kartoffelsalat und arabische Dattelkekse mit." Sie schmunzelt: "EBP'ler und CALAs gibt es überall auf der Welt." Die 29-Jährige fühlt sich rundum wohl in der Stadt der Extreme. "Man kann die Region für einiges zu Recht kritisieren, aber ich persönlich bewundere gleichzeitig den rasanten Fortschritt hier und die positive Einstellung zu Veränderungen. Die Region ist sehr agil und innovativ und dabei kann ich mit meinem Job gut unterstützen." Die Digitalisierung sei beispielsweise sehr weit fortgeschritten. Alles mache sie via App - auch das Bezahlen im Supermarkt, die Vereinbarung eines Arzttermins oder das Beantragen eines digitalen Visums.

Die Zukunft mitgestalten

Letzten Monat hat Elena ein Training für 50 Mitarbeiter*innen gegeben, die im Bereich der nuklearen Sicherheit arbeiten. "Dort habe ich den Teilnehmern und Teilnehmerinnen Innovationsmethoden beigebracht und nebenbei mehr über den nuklearen Sektor gelernt. Unser Angebot ist speziell auf den Kunden zugeschnitten und ändert sich je nach Anfrage." Aktuell arbeitet die Münsteranerin an einem Zukunftsprojekt für eine regionale Behörde im Bildungssektor und kann so dabei mitwirken zu definieren, welche Richtung zukünftig eingeschlagen wird: "Ich finde es sehr reizvoll, die Zukunft der Bildung hier mitgestalten zu können." Dabei identifiziert sie basierend auf der Ist-Analyse des Sektors aktuelle Herausforderungen, kombiniert diese mit den Ergebnissen einer Trendanalyse, entwirft so verschiedene Zukunftsszenarien und leitet daraus Empfehlungen für die Ministerien und Behörden der Region ab. Vor der Corona-Pandemie hat sie viele Workshops gegeben, nun finden diese zum großen Teil digital statt. "Schade, mir fehlen die Situationen, wo man gut in Interaktion kommt.

Hier haben die Teilnehmer*innen meistens ihre Kamera aus, so dass ich auch die Reaktionen nicht sehen kann." Denn zu Hause tragen arabische Frauen ihr Kopftuch nicht und daher ließen sie auch die Kamera aus. Die Vorurteile von einer Andersbehandlung von Frauen im arabischen Kulturraum kann die Betriebswirtin bisher aber nicht aus eigener Erfahrung bestätigen. "Ja, das Rollenbild ist schon traditionell geprägt, sodass die Frau in Corona-Zeiten eher bei den Kindern zu Hause im Homeschooling bleibt, aber ihren Job mithilfe von Kinderfrauen weiterführt, und der Mann weiterhin ins Büro geht. Ich hatte in meiner Rolle als Projektmanagerin aber noch nie Probleme und wurde immer respektiert." Auf manche Dinge, wie das Händeschütteln, was meist aus Respekt nur zwischen Personen gleichen Geschlechts stattfinde, verzichte man sowieso spätestens seit der Corona-Pandemie.

Wohin führt ihr Weg?

Auch heute ist Elena über den Alumni-Verein ANCALA noch eng mit ihrem Studiengang verbunden. "Ich bin CALA sehr dankbar! Der Studiengang hat meine Interessen gebündelt und hat mir gezeigt, was ich machen möchte." Vor allem von ihren BWL-Kenntnissen und der erlernten Interkulturalität profitiert sie täglich in ihrem Job. Und da kommt ihre Profession durch: "Ich würde gerne noch mehr Kontakt zu CALA halten und würde mich freuen, wenn die Alumnitreffen in Zukunft auch digital stattfinden." Elena ist als kreative Ideengeberin in Dubai genau da angekommen, wo sie hinwollte. Nur eins fehlt noch: Dass ihr Partner endlich bei ihr sein kann, die Lage rund um die Corona-Pandemie sich entspannt, damit ihr Zusammensein unkompliziert möglich ist, und dann will sie irgendwann auch eine Familie gründen. Sie kann sich vorstellen, dazu aber wieder nach Europa zurückzukehren. Es bleibt spannend, wohin Elenas Weg sie führen wird, aber eins hat sie in der Vergangenheit gelernt: "Wer auf sein Gefühl hört, kommt ans Ziel."



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