(Christian Thiemann, Managing Director Industry & Tires Fotos: FIEGE)

Logistik aus Leidenschaft
Zunächst findet Thiemann den Zugang zur Logistik über seine Ausbildung zum Speditionskaufmann, die er 1998 beginnt. Er findet das Thema so spannend, dass er im Jahr 2000 noch ein betriebswirtschaftliches Studium mit der entsprechenden Fokussierung draufsetzt: "Da ich die Praxis in meiner Ausbildung bereits kennen und schätzen gelernt hatte, habe ich mich für ein BWL-Studium an der FH Münster entschieden. Das habe ich bis heute nicht bereut", sagt Thiemann. Besonders interessant an seinem Bereich findet er, dass die Bandbreite und Vielseitigkeit in den letzten Jahren sogar noch zugenommen hat: "Die Logistik steigt immer tiefer in die Wertschöpfung anderer Unternehmen ein und das internationale Kundenportfolio macht das Ganze noch spannender." 2004 schließt er zunächst erfolgreich sein Diplomstudium am Fachbereich Wirtschaft ab.

Kommiliton*innen werden zu Freund*innen
Nach dem Diplom bleibt er der FH Münster treu und schreibt sich 2005 für den gerade neu entstandenen Masterstudiengang Logistik ein. "Die Inhalte klangen spannend. Außerdem gab es die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen, und den Fokus weiter auf das Thema Logistik auszurichten - inklusive einer praxisorientierten Masterarbeit." Das Besondere ist aus seiner Sicht, neben allem Fachlichen, dass in dem familiären Studiengang Kommiliton*innen zu Freund*innen geworden sind, zu denen er noch heute Kontakt hat. Zu Studiengangsleiter Prof. Dr. Franz Vallée hat er auch heute noch einen guten Draht. "Auch, wenn es darum geht, geeignete Absolvent*innen zu finden", sagt Thiemann mit einem Augenzwinkern. An seinem Masterstudium habe er vor allem die interdisziplinären Blickwinkel auf die Logistik aus verschiedenen Fachrichtungen - von BWLer*innen und Ingenieur*innen - geschätzt sowie die kleine Gruppengröße, die dem Studiengang einen exklusiven Rahmen gab und immer noch gibt. Sein Lieblingsplatz war im FHZ immer da, "wo es Kaffee gab!". Auch heute noch beginnt ein guter Tag für den Absolventen, der mittlerweile zweifacher Familienvater ist, mit einem ruhigen Kaffee am Morgen.

Noch eine wertvolle Erfahrung aus dem Studium: Sein Weg im Masterstudium führt ihn auch ins Ausland. Er landet an der Northwood University in Michigan, USA, wo er mit 50 unterschiedlichen Nationalitäten studiert und viel über interkulturelle Zusammenarbeit und Netzwerken lernt. "Das kann ich nur jeden empfehlen, mal raus aus der Komfortzone und sich einen neuen Bereich suchen, in dem man sich wieder behaupten muss."

"FIEGE ist mir treu geblieben"
Bereits im Logistikstudium findet Thiemann 2005 den Einstieg als Werkstudent bei FIEGE. Ein Kommilitone berichtet ihm davon und der BWLer bewirbt sich und startet als Assistent der Geschäftsleitung. "Das Modell war ein perfekter Einstieg für mich. Das Werkstudium bieten wir noch immer sehr erfolgreich an", berichtet der Managing Director. Der Master habe ihn perfekt auf den Berufsstart vorbereitet: Das im Studium erlernte logische und wirtschaftliche Denken setze er an jedem Arbeitstag ein. Thiemann schließt 2006 erfolgreich sein Masterstudium an der FH Münster ab und bleibt bei FIEGE - insgesamt 16 Jahre bis heute. Was hat das Unternehmen an sich, dass der Absolvent ihm immer treu geblieben ist? "Nicht nur ich bin FIEGE treu geblieben, sondern FIEGE auch mir. Ich bin davon überzeugt, dass FIEGE zu mir passt. In den vergangenen Jahren bekam ich stetig die Chance, mich beruflich weiterzuentwickeln. Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen und zeichnen uns durch viele unternehmerisch denkende Kolleginnen und Kollegen aus. In dieser Kultur fühle ich mich sehr zu Hause."

Doch auch das Familienleben kommt bei Thiemann nicht zu kurz. In seiner Freizeit stehen die Kinder an erster Stelle und sorgen für eine entsprechende Work-Life-Balance. "Unsere beiden Kinder, drei und fünf Jahre, sorgen schnell dafür, dass ich abschalten kann. Auch wenn das nicht immer gleich Entspannung bedeutet. Ich versuche regelmäßig Sport zu treiben, was mir hilft, den Kopf frei zu bekommen."

Die Business Unit als Unternehmer führen
An seinem jetzigen Job liebt Thiemann die Führungsverantwortung und mit unterschiedlichen Kunden*innen zu tun zu haben: "In unserer Business Unit arbeiten ungefähr 2.500 Teamkolleginnen und -kollegen. Wir sind ein dreiköpfiges Team in der Geschäftsleitung und versuchen unsere Mannschaft agil zu führen." Dazu bedient sich das Leitungs-Trio der Obejctives and Key Results-Methodik (OKR) als Führungsinstrument. Im Alltag ist Thiemann viel in den Niederlassungen unterwegs oder besucht Kund*innen. "Ich versuche aber immer auch ein bis zwei Tage in meinem Büro zu sein, um in Ruhe an Themen zu arbeiten." Zusätzlich habe er das Privileg, seine Business Unit wie ein Unternehmer führen zu dürfen. "Das ist etwas, was ich sehr schätze!"

Der Führungsstil von morgen
"Ich halte viel von partizipativen Führungsstilen. Ich denke, dass sich der Führungsstil in den nächsten Jahren weiter stark wandeln wird. Veränderungen in der Umwelt und die Digitalisierung wirken sich drastisch auf unser Arbeitsleben aus. Wir arbeiten in agilen Teams, fokussieren uns immer mehr auf Projektarbeit und sind gleichzeitig mit Smartphones, Teams und WLAN so flexibel und global vernetzt wie nie zuvor. Diese Entwicklungen haben aus meiner Sicht auch einen Einfluss auf den Führungsstil." Dabei werde seiner Ansicht nach, die Fähigkeiten in den Bereichen Kommunikation, Empathie und Kreativität zukünftig mehr an Bedeutung gewinnen und es nicht mehr ausschließlich darum gehen, der mit dem größten Fachwissen zu sein. "Fachwissen kann hilfreich sein, aber bei der zunehmenden Komplexität an Themenfeldern kann eine Führungskraft nicht immer die meiste Fachkompetenz besitzen. Im Gegenteil sogar, das wäre fatal." Thiemann versteht sich dabei als "Leadership Ambassador", der Themen wie Diversität, New Work, Nachhaltigkeit, Agilität und auch Digitalisierung in seinem Unternehmen weiter vorantreiben möchte.

Die Zukunft der Logistik ist digital
Gerade im Letzteren sieht er Veränderungen auf uns zukommen: "Logistikunternehmen haben aktuell Probleme dabei, neue Mitarbeitende zu gewinnen und verfügbare Logistikflächen zu generieren." Zudem bestünden auf dem Transportmarkt große Herausforderungen, weil Angebot und Nachfrage auseinanderdriften. "Daraus entwickeln sich aktuell beispielsweise Trends zur Automatisierung im Lager, zur Bestandsoptimierung mit Hilfe von Predictive Analytics oder zu Softwarelösungen für die Routenoptimierungen", weiß der Experte. Die Digitalisierung werde uns dabei begleiten und immer mehr zu einem festen Bestandsteil der Logistik, so die Zukunftsprognose des 43-Jährigen. "Ich bin davon überzeugt, dass nur die Unternehmen erfolgreich sein werden, die es schaffen, ihre Stakeholder auf diesem Weg mitzunehmen."

Tipps für die Studierenden
Der Absolvent ist seit dem Masterstudium an der FH Münster einen spannenden Weg gegangen. Es ist ihm wichtig, seine Erkenntnisse auch an die jetzigen Studierenden weiterzugeben: "Wenn ich darüber nachdenke, wie ich Stellen besetze, ist es für mich wichtiger, wie Bewerber*innen an die neue Herausforderung herangehen. Die Tatsache, ob der bisherige Lebenslauf absolut geradlinig war, steht dabei nicht so sehr im Vordergrund, sondern eher was für ein 'Typ' die Bewerber*innen sind. Und Berufserfahrungen formen diesen Typen!" Daher könne er nur jeder Absolventin und jedem Absolventen raten: "Findet etwas, wofür ihr brennt! Macht Praktika, arbeitet als Werkstudierende und sammelt Berufserfahrungen, um herauszufinden, was euch Spaß macht!"

Eins scheint sich mit Blick auf Thiemanns Lebenslauf zu bestätigen - auch wenn man ihn wieder in zehn Jahren interviewt: Er bleibt FIEGE treu und das Unternehmen ihm.

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