Münster (10.02.2017). "Gutes Design ist wie die Möglichkeit zum Mond zu fliegen. Nur wenige werden es jemals direkt tun können, aber das Bewusstsein dieser Möglichkeit hat das Leben von Millionen von Menschen verändert." Ettore Sottass, einer der erfolg- und einflussreichsten Designer der 1960er Jahre, verrät uns mit dieser Aussage ein Geheimnis guter Gestaltung: Sie schafft Bewusstsein für das, was zunächst unmöglich erscheint, aber dennoch möglich ist. Zum Beispiel im Gewöhnlichen des Alltags das Ungewöhnliche zu entdecken.

Yannic Hefermann, Annelie Kuipers und Rachel Determeyer richten sich an eine Zielgruppe jenseits der "Apothekenumschau" und rufen ein auch online lesbares Magazin ins Leben: "fleisch und blut". Intim, frech und ehrlich ist der Erzählton, mit Reportagen und Recherchen aus erster Hand. Und das Konzept denkt um die Ecke: So steht zum Beispiel ein Interview über Zwangsstörungen auf dem Kopf.

Die App "Moxie" hat Melanie Thoma entwickelt, die die Auszeichnung für die beste Masterarbeit erhielt. Wer mit dem Smartphone ein Museum besucht, kann sich ein Profil anlegen, Stationen abklappern, thematisch passende Quizfragen beantworten und neue Level sowie Belohnungen freischalten. "Ich habe die App am Beispiel des Naturkundemuseums hier in Münster entwickelt - die jungen Anwender können dank Augmented Reality zum Beispiel Fotos mit Dinosauriern machen und an ihre Freunde verschicken." Ausgefuchst: Das Konzept ist generell für jedes Museum umsetzbar. Und sie wird auch nach "Parcours" daran weiterarbeiten: "Vielleicht springen ja noch Museen auf", sagt Thoma.

Mit islamischen Ornamenten setzte sich Johanna Reibrandt in ihrem Projekt "Muster im Transfer" auseinander. Und erfährt: das eine islamische Ornament gibt es genauso wenig wie den einen Islam. "Es wurden immer andere Ornamente aus unterschiedlichen Kulturen modifiziert, adaptiert und dann in das Bisherige übernommen", erzählt Reibrandt. "Ich möchte die Ästhetik der islamischen Kunst mit ihren Mustern zeigen - und auch den Dauerdebatten etwas entgegensetzen."

Im "Parcours" fanden die Besucher ausgefallene und dennoch marktfähige Magazine, Kinderbücher, digitale Anwendungen, Einrichtungsgegenstände und Produkte für den alltäglichen Gebrauch zum Entdecken, Staunen und Nachdenken. Die Ansätze und Blickwinkel der jungen Designer sind vielfältig und differenziert, sodass für uns scheinbar fremde Welten genau erfahrbar werden. Visuelle Kommunikation bringt uns nicht nur den Mond, sondern ab sofort auch den Mars näher als wir glauben.

(Fotos: FH Münster)


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