Als selbstständiger Fotograf hat Bayram Tarakci sich seinen Traum, in der Mode-Branche tätig zu werden, erfüllt. Wie man regelmäßig zwischen Paris und Münster pendelt und trotzdem ausschläft, erfahre ich von ihm bei leckerem Kaffee in seinem hippen Studio in der Münsteraner Innenstadt. - von Rebecca Sieker

Wie bist du darauf gekommen, Fotograf zu werden?

Während des Grundstudiums hatte ich immer so Modezeitungen gehabt und ich wusste, damit will ich irgendwas zu tun haben. Ich hatte aber noch keine Ahnung was. Irgendwie habe ich das Medium Fotografie einfach mal ausprobiert. Und dann habe ich mir 'ne Kamera gekauft und losgelegt. Ich hätte nie gedacht, dass ich Fotograf werden würde. Ich wollte immer Frauenarzt werden.

Was ist das Besondere an deiner Arbeit?

Du kannst dir die Zeit selber einteilen. Du kannst lange schlafen, lange arbeiten, ausschlafen. Das ist richtig gut. Und das tolle an Fotoshootings ist: die sind im Großen und Ganzen immer ab 12.00 oder 13.00 Uhr. Dann triffst du dich mit denen und trinkst erst mal einen Kaffee, das ist alles super chillig. So ein- bis zweimal die Woche wird's dann auch stressig, aber dann ist es wieder entspannt. Ich könnte mir nicht vorstellen, in einer Agentur zu arbeiten und da jeden Morgen um 8.00 oder 9.00 Uhr anzutanzen. Will ich auch nicht.

Hast du gerade ein Projekt, das du richtig gut findest und wo du stolz drauf bist?

Ich habe dieses Jahr richtig viele Sachen für englische Modemagazine gemacht. Das ist richtig cool. Stolz bin ich irgendwie nicht, aber ich bin glücklich mit den Ergebnissen und dann schwebt man im siebten Himmel.

Wenn du das von heute auf morgen machen würdest, dann wärst du stolz drauf. Aber das ist ja eine Entwicklung und das ist nicht nur meine Arbeit. Das ist ne Teamarbeit, da sind viele dran beteiligt und da ist man dann nicht nur stolz auf sich, sondern auf das gesamte Team.

Man hat ein Ziel und man ist zufrieden. Aber man fragt sich auch, wird das noch weiter so laufen?

Lebst du das, was du da tust?

Besonders wenn ich Aufträge im Ausland bekomme. Ich liebe es, die Sachen zusammenzupacken, in den Zug zu steigen und dann hat man schon Kopfkino und freut sich auf die Pariser Straßen, Galerien und das Studio. Das ist schon ein richtig geiles Gefühl. Da weißt du: jetzt kommt wieder richtig gute Arbeit. Ich habe auch so ein, zwei, drei Arbeiten, die ich irgendwann mal ausstellen will. Aber ich habe da keinen Zeitdruck. Das muss noch reifen wie Käse. Ich will nicht unbedingt eine Ausstellung machen, Leute einladen und Künstler spielen.

Was ist geil an dir?

Meine Haare. Wenn ich sage, ich bin geil, ist das sarkastisch und nicht ehrlich. Was du heute machst, ist morgen out. Das ist alles so schnelllebig. Gerade im Modebereich. Du bist heute was und morgen nichts. Und in der Kunst auch, du bist dann was, wenn du etwas machst.

Hast du das Ziel, irgendwann mal anzukommen? In Berlin oder so?

Ich habe eigentlich kein Ziel, ich will meine Sachen vernünftig machen. Es soll Spaß machen, Geld ist mir auch nicht so wichtig. Na klar musst du genug verdienen, um deine Kosten zu decken, aber wenn du denkst: "Oh, ich will jetzt reich werden damit", das blockiert nur. Es ist schön, wenn man seine eigene Arbeit machen kann, wenn es Spaß macht, du deine eigenen vier Wände hast und wenn du einigermaßen gut bezahlt wirst. Was will man mehr?

Nach Berlin will ich gar nicht und ich glaube, ich reize die auch nicht. Weil in Berlin gibt's zu viele Künstler. Da bist du kein Exot.

Was würdest du aktuellen Studierenden mitgeben?

Die sollen sozial bleiben und nicht egoistisch. Nicht sagen: "ehh, nicht abgucken", diese Mentalität ist wirklich nicht gut, damit kommt man nicht weiter. Und nicht zu geizig sein. Ob ich jetzt 100€ oder 200 € mehr verdiene, ist mir egal. Das spielt für mich keine Rolle. Hauptsache, man macht jemanden glücklich und bekommt im Großen und Ganzen Geld dafür, manchmal sogar viel. Man sieht sich immer zwei- bis dreimal im Leben.

Ich grüße jeden.

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