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Tee, Käsebrötchen und Kuchen gibt es in Samuel Treindls Hafenatelier. Rebecca Sieker hat ihn in seinem Atelier besucht, und über seine Arbeitsweise und seinen Weg vom Produkt-Design zur Kunst gesprochen.

Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist?

Ich habe immer das Bedürfnis, entstehende Maschen zu zerbrechen: ich muss sie zerschlagen um mich neu zu orientieren. Ich finde, man muss immer in jeder Situation neu reagieren, denn das Einzige, was immer gleich bleibt, ist, dass sich alles verändert. Bei mir hat alles mit dem Handwerk begonnen. Man lernte, ein guter Handwerker zu sein, Material zu verarbeiten. Das war nicht genug, ich hatte das Gefühl, mir fehlt etwas. Dann kam das Design. Ich lernte als Designer, Dinge zu gestalten. Ich stellte mir die Frage nach Inhalten und komplexeren Zusammenhängen, die Frage nach dem: was willst du eigentlich? Und dann kam das Künstlerische dazu.

Was machst du?

Ich bin Entwerfer von Spielregeln, Spielregeln im Spiel von Produktion. Das waren meine ersten Gedanken, als ich Designer wurde. Ich wollte keine Tische oder Lampen entwerfen, sondern ich wollte die Zusammenhänge und Abhängigkeiten neu organisieren. Und so mache ich das manchmal auch in der Kunst, ich entwerfe Systeme, nach denen ich Dinge bearbeite und baue. Zum Beispiel entscheide ich die Farbe nach Produktionsabläufen, welche Farben sind über? Welche werden sowieso benutzt? Weil jeder Farbwechsel Geld kostet und so kann ich die Kontrolle abgeben. Das nenne ich anarchistische Produktion. Eine Sache, die ich bei meinen Arbeiten gelernt habe, ist, dass sich das System meistens an den Stellen, an denen es nicht funktioniert am besten erschließt.

Die Arbeit mit Menschen, was reizt dich daran?

Ich mache Kooperationen, das - hat sich rausgestellt - ist für mich und auch für alle Beteiligten ziemlich gut. Bei mir ist das so: ich lege alles auf den Tisch und wir überlegen gemeinsam: wie gehen wir damit um? Und ich glaube alleine dadurch, dass unterschiedliche Leute dieses Thema benutzen, kommen unterschiedliche Interpretationen rein und es passiert ganz viel. Ich mag zum Beispiel die Arbeit mit Handwerkern. Wenn man etwas mit dem Glasbläser macht, der sein Handwerk beherrscht, das ist das Schönste. Er beherrscht die Umsetzung und ich kann dann damit arbeiten, dass ist super. Ich sage, wir müssen uns viel mehr zusammentun, mit Architekten, genauso mit Dilettanten, wir müssen die Technologien überprüfen, gleichzeitig Zufälle passieren lassen, dann wird die Arbeit schön komplex.

Du benutzt gerne Altes und machst daraus Neues?

Auf diese Recyclingmasche lasse ich mich aber nicht festnageln. Das ist was, das würde mich dann auch einfach schnell wieder langweilen. Die Systeme sind da, z. B. Drucken und so, und wir können sie manipulieren, das ist nicht der klassische Recyclinggedanke, das ist der Umgang mit den Dingen.

Würdest du sagen, du bist jetzt frei? Als Künstler?

Frei ist man ja nie. Mein Ausgleich ist die Abwechslung. Dadurch fällt mir meine Arbeit gar nicht unangenehm auf. Ich mache das alles gern. Und ich habe so viel Abwechslung mit jedem Projekt, mit jedem Tag, und könnte am liebsten noch zwei mehr machen. Ich muss eher aufpassen, dass ich mich nicht übernehme, dass ich einfach nur so viel mache, wie mir gut tut.

Dein Lieblingsprojekt?

Ich fand das fast alles super, die Emscherkunst 2016 Projekte, das Stadtteil Café in Osnabrück. Aber man findet ja immer das Projekt, was man gerade macht, am besten.

Hast du auch mal diese zweifelnden Momente, in denen du glaubst, du bekommst das alles nicht hin?

Der Stress zum Schluss ist ja normal. Aber eigentlich muss ich sagen: alles, was ich mache, mache ich gern. Ich finde alles gut und das nächste Jahr bis zum Sommer ist voll.

Was sind denn dann deine Ziele?

Schwierig. Ich würde mir wünschen, in einem kleinen Team einfach weiterzumachen. Vielleicht weniger Projekte zu machen und dafür im Jahr einfach zwei bis drei schöne Projekte, in einem kleinen Team. Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen. Das wäre gut und dann kann ich mich privat noch rausziehen und alles ist nicht mehr so dicht.

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