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Essen Sie abwechslungsreich und mit Genuss, rät die Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Ursel Wahrburg. (Foto: Wilfried Gerharz)

Münster, 25. März 2019 | Eigentlich ist das, was eine gesunde Ernährung ausmacht, ziemlich unspektakulär, meint Prof. Dr. Ursel Wahrburg. Über verunsicherte Menschen, kritische Trends beim Essen und Hindernisse in der Ernährungsforschung haben wir mit der Ernährungswissenschaftlerin vom Fachbereich Oecotrophologie · Facility Management gesprochen.

 

Frau Prof. Wahrburg, was darf man denn noch essen - hören Sie diese Frage oft?

Ja, immer wieder. Viele Menschen sind verunsichert, weil sie laufend und in allen Medien mit den widersprüchlichsten Informationen in Sachen Ernährung konfrontiert werden. Und zwar sowohl von der Wissenschaft als auch von selbsternannten Ernährungspäpsten ohne jeglichen fachlichen Hintergrund. Je lauter und überzeugender eine Botschaft verkündet wird, desto eher sind die Menschen bereit, sie zu glauben.

Das gibt ihnen Sicherheit in diesem ganzen Wirrwarr von sogenannten Superfoods, glutenfrei und Low Carb. Letztendlich ist dieses Verhalten ein Ausdruck dafür, dass die Ernährung für viele zur Glaubensfrage oder einer Art Ersatzreligion geworden ist. In der Weise, wie wir essen, spiegeln sich gesellschaftliche Entwicklungen wider. Es ist ja ein immer größer werdender Trend zur Selbstoptimierung festzustellen.

Dazu zählt eben auch die Ernährung, die uns möglichst gesund, leistungsfähiger, erfolgreicher und attraktiver machen soll. Das macht uns anfällig dafür, an die versprochenen Wirkungen von Superfoods zu glauben oder das vermeintlich schlechte Gluten zu meiden. Ob es dafür wissenschaftliche Belege gibt, spielt dabei keine Rolle. Und in vielen Fällen endet es mit einem unnötigen Verzicht.

Mit einem Verzicht auf Laktose, Gluten oder Kohlenhydrate beispielsweise, ohne dass es medizinisch notwendig wäre?

Ja, genau. Riskant werden diese Entwicklungen dann, wenn sie unterm Strich in einer einseitigen Ernährung münden - einer der größten Fehler, die wir machen können. Zu einer krankhaften Essstörung kann es sogar werden, wenn sich die Beschäftigung mit gesundem Essen ins Zwanghafte steigert, wir sprechen dann von Orthorexia nervosa.

Den weitaus größeren Teil kümmert gesunde Ernährung aber wenig?

Da geht die Schere weit auseinander. Auch wenn es in der öffentlichen Wahrnehmung anders scheint, ist es nach wie vor die große Mehrheit, die sich wenig Gedanken um gesundes Essen macht und bei der jede Menge Fast Food, Fertigprodukte, Süßes und zuckerreiche Getränke üblich ist. Mit der Folge, dass in Deutschland bereits etwa ein Viertel der Erwachsenen adipös, das heißt fettleibig, ist. Auch bei Kindern und Jugendlichen ist Übergewicht ein riesiges Problem.

Warum liefert uns denn die Ernährungswissenschaft nicht mehr Daten, die uns Sicherheit geben könnten?

Das ist tatsächlich ein großes Handicap der Ernährungsforschung. Der Mensch ist keine Labormaus. Wir reagieren auf gleiche Nahrungsmittel oder Inhaltsstoffe individuell sehr unterschiedlich, weil wir ein äußerst kompliziertes System sind mit unzähligen wechselseitigen Einflüssen von Genen über Umwelt bis zu unserem Lebensstil - ein Supercomputer ist nichts dagegen. Diese Komplexität macht die Forschung so schwierig, beispielsweise wenn man wissen möchte, ob ein angepriesenes Superfood tatsächlich gesund ist.

Welche Empfehlungen für eine gesunde Ernährung sind denn wissenschaftlich haltbar?

Im Grunde ist es ganz einfach, klingt aber wenig spektakulär und kommt uns allen bekannt vor:

  • Essen Sie möglichst abwechslungsreich. Umso weniger können dann einzelne Lebensmittel oder Inhaltsstoffe Schaden anrichten, gleichzeitig bekommt man vieles, von dem man Nutzen ziehen kann.
  • Essen Sie reichlich und regelmäßig Gemüse und Obst, sie sind definitiv eine unentbehrliche Basis jeder gesunden Ernährung. Wählen Sie Obst und Gemüse in bunten Farben; sie stehen für unterschiedliche Inhaltsstoffe und Wirkungen.
  • Empfehlenswert ist auch, möglichst naturbelassene Lebensmittel zu wählen. Als Faustregel gilt nämlich: Je stärker ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto fett- oder zuckerreicher ist es und hat damit umso mehr Kalorien.
  • Und noch ein Tipp: Je größer die Wunder sind, die einem bestimmten Lebensmittel oder einer besonderen Diät zugesprochen werden, desto eher sollten Sie die Finger davon lassen. Es kann nicht funktionieren.

Diese Empfehlungen gelten für uns alle?

Ja, diese einfachen Grundsätze sind tatsächlich ganz allgemein und jedem zu empfehlen, abgesehen natürlich von Personen, bei denen es krankheitsbedingt besondere Anforderungen an ihre Ernährung gibt. Auch wenn diese Empfehlungen unspektakulär klingen - würden wir sie aber alle beherzigen, wäre damit schon viel gewonnen. Und der Genuss kommt dabei auch nicht zu kurz.

Dieses Interview (Seite 32 und 33) ist in der Ausgabe 34 des FH-Magazins fhocus im März 2019 erschienen.

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