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Münster, 20. Februar 2019 | Insekten haben es auf eine Speisekarte in Münsters Fußgängerzone geschafft: Eine Restaurantkette bietet jetzt einen Burger mit den Krabbeltieren an. Insekten essen auf der einen Seite und dramatischer Insektenschwund auf der anderen - wie passt das zusammen? Darüber und über unser zukünftiges Essen haben wir mit dem Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Guido Ritter gesprochen.

 

Prof. Dr. Guido Ritter forscht an der FH Münster unter anderem zur Zukunft der Ernährung. Insekten sollten dazugehören, meint der Ernährungswissenschaftler. (Foto: FH Münster/Pressestelle)

Herr Prof. Ritter, mitten in Münster kann man nun Insektenburger essen. Ist das aus Ihrer Sicht ein Schritt in die richtige Richtung, wenn wir täglich neue Zahlen zum Aussterben der Insekten lesen? Ist das eine zukunftsfähige Ernährung?

Das scheint auf den ersten Blick schizophren zu sein. Wir müssen alles tun, um unsere Artenvielfalt zu erhalten, und da sind die Wildinsekten erkennbar bedroht. Aber gerade die Zucht und der Verzehr von Mehllarven, Buffalowürmern und Co. als Nutzinsekten können hier sehr gut helfen. Durch eine effizientere Erzeugung von tierischem Eiweiß können wir von der ethisch problematischen und umweltschädlichen Massenhaltung von Säugetieren wegkommen. Die neu gewonnenen Flächen und Ressourcen können wir dann für den Erhalt der Wildbienen und ihrer Freunde einsetzen.

 

Heuschrecken und Maden auf dem Speiseteller werden aber noch einen langen Weg zurücklegen, bis sie sich in der Mitte der Gesellschaft etablieren?

Gut zubereitet sind Insekten köstlich. Wenn man sie anröstet, schmecken sie leicht nussig, toll. Wir essen ja auch Krabben und Garnelen mit Genuss. Dennoch, der Ekel vor Insekten wird auch in den nächsten Jahren noch die Diskussion beherrschen. Aber zu Mehl verarbeitet finden sie schnell den Weg in Burger und Pasta. Das wird schon bald kein Aufreger mehr sein. Denn das ist nur anerzogenes Ekel-Empfinden und hat keine angeborenen Wurzeln. Das heißt nicht, dass wir in Zukunft jeden Tag Insekten essen werden, aber es wird ein Bestandteil auch unserer Ernährung in Europa werden, wie Sushi es heute ist. Vor 20 Jahren haben meine Eltern da noch die Nase gerümpft.

 

Mit welchen Veränderungen auf unserem Speiseplan werden wir in den nächsten 30 Jahren rechnen müssen?

Noch 31 Ernten - dann haben wir das Jahr 2050 und 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten, die satt werden wollen. Die Eiweißversorgung wird global eine Herausforderung sein. Wir müssen alle Ressourcen nachhaltig nutzen, die uns der Planet zur Verfügung stellt, um diese Herausforderung zu meistern.

Dazu gehören neben Insekten auch die pflanzlichen Proteine aus regional anbaubaren Lupinen, Bohnen und Linsen. Aber auch Algen und Pilze werden an Bedeutung zunehmen. Ich hoffe aber dennoch, dass wir unsere traditionellen Gerichte und Lieblingsspeisen auch in 30 Jahren noch auf dem Teller haben werden. Denn Essen ist auch Esskultur.

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