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Life Hacks gegen die Hitze: So sorgt der Physiker für Abkühlung

Wo ist die berühmte Badewanne mit Eiswürfeln, wenn man sie braucht? Physiker Markus Gilbert greift stattdessen auf flüssigen Stickstoff mit seinen minus 196 Grad zurück. Er hat aber auch für alle Nicht-Physiker einige Tricks parat, die für Abkühlung sorgen.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Gibt es bei solch einer Hitze überhaupt noch Möglichkeiten, sich ordentlich abzukühlen? Irgendwelche Tricks aus der Physik?

Na klar: Es gibt verschiedene Kühlmethoden, und die einfachste und effektivste ist die Verdunstungskälte. Denn Flüssigkeit, die verdunstet, kühlt ab. Genauso funktioniert auch Schwitzen, unsere biologische Kühlung. Die Abkühlung funktioniert, weil Flüssigkeit viel Energie braucht, um gasförmig zu werden. Man muss zuhause bei der Hitze also irgendwie dafür sorgen, dass Wasser verdunstet. Es funktioniert super, wenn man abends seine Wäsche wäscht und im Schlafzimmer aufhängt – das sorgt nachts für die Verdunstungskälte, wenn es draußen nicht zu schwül ist. Über den Tag hilft ein Wasserpumpspray, wie man es zum Beispiel vom Frisör kennt. Beide Kniffe haben außerdem den Vorteil, dass sie keine elektrische Energie brauchen.

 

Ist das denn wichtig für die Abkühlung?

Auf jeden Fall! Elektrische Energie erwärmt immer das Zimmer oder das Büro. Egal ob elektrische Zahnbürste, Handrührer oder Ventilator. Sie alle setzen elektrische Energie in Wärme um, und zwar letztendlich zu 100 Prozent. Und als Nebeneffekt sorgen sie dann dafür, dass wir unsere Zähne putzen können, dass die Sahne steif wird oder dass die Luft im Raum bewegt wird.

 

Das heißt, ein Ventilator im Sommer macht den Raum eigentlich wärmer?

Richtig. Aber er hat einen Vorteil: Er bewegt die Luft im Raum, und diese Bewegung sorgt dafür, dass die Verdunstungskälte auf der Haut verstärkt wird. Das merkt man auch schon, wenn man seine Hand mal anpustet, das hat schon einen kühlenden Effekt. Denn auch auf unserer Haut liegt ein natürlicher Flüssigkeitsfilm, der konsequent verdunstet. Richtig angenehm ist es deshalb, ohne große Anstrengung Fahrrad, Skateboard oder E-Bike zu fahren, das kühlt uns ganz natürlich. Oder man treibt es auf die Spitze, feuchtet sich selbst an und setzt sich mitten in den Luftstrom vom Ventilator. Da ist der Körper ruckzuck kalt. Ansonsten funktioniert auch ein feuchtes Tuch überm Ventilator.

 

Wie ist das denn dann mit Klimaanlagen, wenn elektrische Geräte immer erwärmen?

Also entweder funktioniert die Klimaanlage über das Verdunstungsprinzip oder es handelt sich um eine Wärmepumpe. Zum Beispiel beim Auto: Im Wagen ist es kühl, aber im Motorraum wird es heiß. Auch unser Kühlschrank funktioniert so, innendrin kalt, die Rückwand ist die heiße Seite. Die Wärme der elektrischen Energie muss eben irgendwohin. Insgesamt ist es ein Nullsummenspiel. Deshalb könnte man auch nie seine Küche mit einem offenen Kühlschrank kühlen.

 

Gibt es noch weitere Kniffe gegen die Hitze?

Wenn man es im Zimmer dauerhaft kühler haben will, helfen Spiegelfolien, die man von außen an die Fenster anbringt. Habe ich auch letztens erst mit Rettungsfolie gemacht, einfach auf einen Rahmen getackert. Die Wärmestrahlung von der Sonne wird so zurückreflektiert und kommt gar nichts erst ins Haus oder die Wohnung. Für schöne kalte Getränke sorgt auch bei der Hitze ein befeuchteter Tontopf – da haben wir wieder die Verdunstungskälte.

Und vielleicht noch eine kulturelle Sache: Ich finde, wir sollten uns endlich selbst erlauben zu schwitzen. Das ist wirklich die beste Methode, dass unser Körper in der Hitze abkühlt. Großraumbüros zum Beispiel auch jetzt im Hochsommer immer bei 21 Grad Zimmertemperatur zu halten, das kostet uns Unmengen an Energie.

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