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1975 war der Soziologe an unseren Fachbereich berufen worden, im Juli 2003 hat er seine Abschiedsvorlesung "Von der Fürsorge zum Sozialmanagement" gehalten. (Fotos: Anne Holtkötter)

Wie war der Abschied für Sie?

Da der Tag der Pensionierung ja lange im Voraus bekannt ist, kann man sich ohne Mühe darauf einstellen und vorbereiten. Meine damaligen Gefühle, als ich 2003 diesen Tag erreichte, würde ich - wie vermutlich viele andere in der gleichen Situation - aus meiner Erinnerung als ambivalent beschreiben. Einerseits verlässt man ein durch viele Jahre der Tätigkeit vertrautes Feld - und ich habe gerne darin gearbeitet - mit einer gewissen Wehmut; anderseits freut man sich über die Möglichkeiten, sein Leben unter anderen Bedingungen neu gestalten zu können. Immerhin konnte ich doch davon ausgehen, dass noch einige Jahre mit guten Lebensbedingungen - was sich bis auf den heutigen Tag bestätigt hat - vor mir lagen. Dafür bin ich sehr dankbar! Etwas Anderes hat mich im Juli 2003 zusätzlich entlastet: Stichwort Bologna-Prozess. Ich musste an der damals anstehenden Umstrukturierung des Studiums in Folge der sogenannten Europäisierung der Hochschulausbildung nicht mehr teilnehmen. Während meiner 28-jährigen Dienstzeit wurde das Studium der Sozialen Arbeit ständig am Fachbereich sowie auf Landes- und Bundesebene "reformiert". Das bedeutet nicht immer Entwicklung und Verbesserung, sondern überwiegend - und ich erlaube mir hier ein Urteil, weil ich bei diesen Prozessen auf allen Ebenen beteiligt war - ein Bemühen um einen Ausgleich von Interessen: von Studienfächern am Fachbereich und darüber hinaus von unterschiedlichen Vorstellungen von Ausbildung und Praxis.

Wie hatten Sie sich die Zeit nach dem Hochschuldienst vorgestellt?

Meine damaligen Vorstellungen waren einigermaßen konkret und wurden einmal davon bestimmt, dass meine Frau und meine Familie, die bisher oft gegenüber den beruflichen Verpflichtungen zurückstehen mussten, nun die erste Priorität in der Rangfolge meiner Interessen und meiner Zeit einnahmen. Zum zweiten fühlte ich mich noch nicht "reif" für das Sofa. So begannen meine Frau und ich eine relativ zeitaufwendige ehrenamtliche Mitarbeit an einem sich gerade im Aufbau befindlichen kirchlichen Projekt, dem Kirchenfoyer in Münster; die sich dann über zehn Jahre erstreckte.

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Der 81-Jährige an seinem Lieblingsplatz.

Was haben Sie in den ersten Monaten gemacht?

Zunächst waren nach der Pensionierung noch einige Arbeiten am Fachbereich Sozialwesen zu Ende zu bringen, unter anderem die Begleitung eines Promotionsverfahrens. Auch gab es zugesagte Vortragsverpflichtungen und Evaluationsaufgaben in Hamburg, Magdeburg und Hildesheim, die aber mit der Zeit abnahmen und heute ganz fehlen. Generell hatte ich jedoch nicht die Absicht am Fachbereich weiter tätig zu sein. Gerade weil die Arbeiten in Lehre, Entwicklung und Selbstverwaltung meinen Interessen und Möglichkeiten - jedenfalls schätze ich es so ein - vollkommen entsprochen hatten, war ich überzeugt, ausreichend legitimiert zu sein, den neuen Lebensabschnitt mit neuen Inhalten zu füllen.

Wie stark ist noch die Verbindung zur Hochschule, zu Ihren ehemaligen Kollegen, zum Fach, dass Sie so lange gelehrt haben?
Weil meine Erinnerungen an die Tätigkeit am Fachbereich positiv sind, höre ich doch bis heute alles, was über die Hochschule und den Fachbereich geäußert wird - wer und wo auch immer - mit spitzen Ohren und besonderem Interesse. Doch haben sich die persönlichen Beziehungen jeglicher Art aus verständlichen Gründen verringert, und die direkten Begegnungen sind sehr selten geworden. Als formell-offizielle Kontakte erreichen mich der Jahresbericht der Hochschule und Einladungen des Fachbereichs zu Verabschiedungen von ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Letzteren folge ich, wenn sie mir noch persönlich bekannt und von mir geschätzt waren. Doch ist mir das heutige Personal des Fachbereichs - nach 16 Jahren Abwesenheit - verständlicher Weise fremd. Informelle Kontakte bestehen zu meiner Fachkollegin und Fachkollegen der Soziologie bei einem jährlich gemeinsamen Abendessen. Private Beziehungen pflege ich zu einem Freundeskreis von nun ehemaligen Kolleginnen und Kollegen und ihren Partnern, der sich aber schon während der Dienstzeit gebildet hatte, bis heute.

Wie füllen Sie die neugewonnene Zeit?

Nach Beendigung unserer ehrenamtlichen Tätigkeit beschäftige ich mich heute fast täglich und gerne mit Themen der Religionssoziologie, doch hat die Familie weiter Vorrang. Deshalb, nach meinem derzeitigen Lieblingsort gefragt, das nicht sehr originelle aber vollkommen zutreffende Foto vor dem Bücherschrank. Vorträge halte ich keine mehr, denn unter anderem die Sorge, altersgemäß die Manuskriptzeile zu verfehlen oder in Diskussionen nach Worten suchen zu müssen, verstärkt meine Zurückhaltung.

Nach all den positiven Erinnerungen und pragmatischen Aspekten für die "Zeit danach": Beschäftigt Sie etwas beim Blick zurück?
Ja, manchmal die Frage, ob die Geschichte des Fachbereichs und der Hochschule nicht eine Ressource für deren Entwicklung wäre, die ja zu recht - soweit ich das den Jahresberichten entnehme - ausschließlich im Vordergrund steht. Fehlt ein historisches Gedächtnis und könnte Erfahrung hilfreich sein?

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