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Alexander Parchow, wissenschaftlicher Mitarbeiter an unserem Fachbereich, wertet aktuell das umfangreiche Datenmaterial aus und schreibt seine Dissertation über das Projekt "Wege in die Zeit nach dem Heim". (Foto: FH Münster/Stefanie Gosejohann)

(6. Oktober 2021). Die Unterbringung in einem Heim oder einer anderen Einrichtung der stationären Erziehungshilfe verändert das Leben von Kindern und Jugendlichen einschneidend. Und auch der Auszug mit dem Übergang in ein eigenständiges Leben stellt hohe Anforderungen an die Care Leaver - also die jungen Menschen, die die Betreuungseinrichtung wieder verlassen. Wie man die Jugendlichen und jungen Erwachsenen während dieses Prozesses gezielt stärken und unterstützen kann, sollen die Ergebnisse eines von Prof. Dr. Peter Hansbauer geleiteten Projekts zeigen, das schon seit 2008 an unserem Fachbereich läuft.

Die Längsschnittstudie "Wege in die Zeit nach dem Heim" begleitet schon über zehn Jahre lang regelmäßig eine Stichprobe junger Menschen, die eine Heimunterbringung erlebt haben. Sie möchte herausfinden, wie sich die Heimerziehung auf den Biographieverlauf der Befragten auswirkt, wie sich ihre Beziehungskonstellationen entwickeln, welche Bedeutung sie der Heimunterbringung in ihrem Leben subjektiv beimessen und welche Aspekte der Heimunterbringung sie rückblickend als positiv oder negativ beurteilen.

"Das Schöne an unserer Studie ist, dass wir die Leute mittlerweile schon seit über acht Jahren außerhalb des Heims begleitet haben", berichtet Alexander Parchow. "Zum ersten Erhebungszeitpunkt 2008 lebten noch alle 102 Teilnehmer*innen in einer stationären Einrichtung, zwei Jahre später war ein Großteil aus dem Heim raus." Der wissenschaftliche Mitarbeiter ist 2019 in das Projekt eingestiegen und hat die fünfte Erhebung federführend durchgeführt. "Da waren immerhin noch 26 Personen dabei, die zu allen Untersuchungszeitpunkten teilgenommen haben. Das ist schon einzigartig, Menschen über einen so langen Zeitraum hinweg zu begleiten." Die Interviews mit den Teilnehmer*innen hätten durchaus schon mal einige Stunden gedauert, berichtet der Doktorand. "Neben der qualitativen Befragung erheben wir auch quantitative Daten und arbeiten mit Netzwerkkarten", erklärt Parchow das Vorgehen. Derzeit wertet er das umfangreiche Datenmaterial aus und schreibt im Rahmen des Projekts seine Dissertation.

"In der Zeitschrift Gesellschaft - Individuum - Sozialisation. Zeitschrift für Sozialisationsforschung (GISo) habe ich aktuell einen Fachartikel zu dem Projekt veröffentlicht. Dafür habe ich aus sozialisationstheorethischer Perspektive einen Einzelfall analysiert", so der 38-Jährige. "Interessant ist, dass sich im Rückblick zwar einige Einschätzungen verändern. Die Bewertung der betreuenden Personen in der Einrichtung bleibt aber bei allen Befragten über alle Erhebungszeitpunkte konstant. Der Beziehung zu dem sozialpädagogischen Personal kommt also offenbar eine ganz besondere Bedeutung zu."

Obwohl das Projekt ursprünglich auf zehn Jahre und fünf Erhebungszeitpunkte angelegt war, ist nicht ausgeschlossen, dass es doch noch weitergeht. "Einige der Teilnehmer*innen haben auf jeden Fall Interesse geäußert und ihre Bereitschaft signalisiert, bei weiteren Befragungen mitzumachen."

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