Wünsche erfüllen, Schmerz lindern

Physiotherapie in der Palliativversorgung: Isabel Ahlmer von der FH Münster hat einen Dokumentationsbogen entwickelt


Isabel Ahlmer
Isabel Ahlmer ist gelernte Physiotherapeutin und arbeitet nun als Berufspädagogin an der Schule für Physiotherapie der Universitätsklinik Münster. In ihrer Bachelorarbeit entwickelte sie ein Instrument, das die Struktur für die Untersuchung und Therapie von Palliativpatienten vorgibt. (Foto: FH Münster/Pressestelle)

Münster (7. Dezember 2017). Palliativversorgung stellt die Lebensqualität von schwerkranken und sterbenden Patienten in den Mittelpunkt. Zu den interdisziplinären Behandlungsteams gehören immer häufiger auch Physiotherapeuten. „Das Ziel ist, Hoffnungen und Wünsche der Patienten zu erfüllen und ihren Schmerz zu lindern. Die Krankheitssituation der Patienten ist sehr komplex und eine exakte Befundung und Therapieplanung unerlässlich, um überhaupt als Therapeut agieren zu können“, sagt Isabel Ahlmer, die deshalb in ihrer Bachelorarbeit einen physiotherapeutischen Befund- und Verlaufsdokumentationsbogen für die Palliative Care entwickelt hat.

Bis dahin, so die Absolventin des Fachbereichs Gesundheit an der FH Münster, gab es zwar schon einen siebenseitigen Bogen der Deutschen Palliativmedizin. „Den aber fand ich unzureichend und nur bedingt praxistauglich“, stellte Ahlmer bei ihren Recherchen fest. Der von ihr entwickelte Bogen basiert auf einer von der WHO standardisierten Klassifikation von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und auf der Methode des Clinical Reasonings, also der klinischen Argumentation, Schlussfolgerung und Beweisführung. „Und natürlich flossen hier auch meine eigenen Erfahrungen aus der Ausbildung und Berufspraxis ein“, so die gelernte Physiotherapeutin.

Ahlmers neuentwickelter fünfseitiger Befundbogen führt den Therapeuten durch Anamnese, Untersuchung, Diagnose und Therapieziele sowie die dafür möglichen Maßnahmen. Ergänzt wird der Befundbogen durch einen eineinhalbseitigen Verlaufsdokumentationsbogen. Die Synthese beider Teile führt schließlich zur Behandlungsfortführung oder Therapieanpassung.

„Das Besondere dieses physiotherapeutischen Befundbogens ist, dass er auf der Basis gängiger Modelle und theoretischer Grundlagen physiotherapeutischen Handelns entwickelt wurde – und trotzdem ein praktikables Instrument ist“, sagt Prof. Dr. Friederike Störkel, die die Abschlussarbeit betreut hat. „Es unterstützt in der Praxis Tätige und soll dazu beitragen, die bestmögliche Entscheidung zu treffen für eine Therapie, die auf die Bedürfnisse und Bedarfe des Patienten zugeschnitten ist“, so die Hochschullehrerin für Medizin und Public Health.

Seit ihrem Bachelorabschluss in Berufspädagogik im Gesundheitswesen in der Fachrichtung Therapie arbeitet Ahlmer als Berufspädagogin an der Universitätsklinik Münster und bildet nun selbst Physiotherapeuten im ausbildungsintegrierten dualen Vollzeitstudium Therapie- und Gesundheitsmanagement aus. Vormittags arbeitet sie mit den Studierenden der FH Münster direkt an Patienten, anschließend geht es in den Unterrichtsräumen weiter. „Ein Traumjob für mich“, sagt die 26-Jährige. Demnächst wird sie auch ihren Befund- und Verlaufsdokumentationsbogen in die Ausbildung einbinden – und kann die Praxistauglichkeit intensiv gemeinsam mit den zukünftigen Physiotherapeuten testen.

Zum Thema: Der Aufbau des Befundbogens orientiert sich an den sechs Schritten des hypothetisch-deduktiven Reasonings. Ferner findet innerhalb dieser sechs Schritte eine Unterteilung in zwei Befundebenen statt: zum einen in die Patientenebene, der subjektiven Befunderhebung, und zum anderen in die Therapeutenebene, der objektiven. Die Erhebung und Gruppierung von Befunddaten und die Festlegung von Therapiezielen und Maßnahmen erfolgt von der objektiven Befundung bis zum Erstellen des Maßnahmenplans auf Grundlage der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF). Der Ablauf der Verlaufsdokumentation und der Aufbau des Verlaufsdokumentationsbogens erfolgen anhand der fünf Schritte des Pattern Recognitions. Es kommt zur Dokumentation und Bewertung des Behandlungsgeschehens und dessen Ergebnisse. Dies geschieht durch die subjektive und objektive Bewertung von Patient und Therapeut. Der Therapeut prüft im nächsten Schritt, ob die vorangegangene Behandlung der Erreichung der Therapieziele gedient hat und ob die Maßnahmen richtig ausgewählt und durchgeführt wurden.




Ältere Meldungen finden Sie in unserem Archiv:

Seite drucken