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Wie beeinflusst denn der aktuelle Zinssatz das Verhalten der Menschen?

Prof. Dr. Manuel Rupprecht lehrt und forscht an der FH Münster im Bereich der Volkswirtschaftslehre, insbesondere zu internationaler Wirtschaftspolitik. (Foto: FH Münster/Wilfried Gerharz)

Tatsächlich nur wenig. Das Sparziel, also die geplante Verwendung des Geldes, und die Sicherheit sind den Menschen in Deutschland viel wichtiger als der Zinssatz. In Nordrhein-Westfalen legten die Leute in den letzten Jahren tendenziell sogar mehr zur Seite. Auch bei der Frage, wie dieses Geld angelegt wird, steht die Rendite nur selten im Fokus. Das sieht man deutlich an den Statistiken: Das gesamte Geld, über das wir Deutschen verfügen, ist zu 40 Prozent in Bankeinlagen angelegt - obwohl sich damit weder aktuell noch in der Vergangenheit eine nennenswerte reale Verzinsung erzielen ließ. Nimmt man hingegen alle Wertpapiere - also Aktien, Investmentfonds und so weiter - zusammen, kommt man nicht mal auf 20 Prozent, trotz einer deutlich höheren realen Rendite. Zu groß ist die Skepsis, zu groß die Angst vor Verlusten, allzu häufig aufgrund fehlender Kenntnisse oder auch "gesunden Halbwissens". Es wird aber wohl noch mindestens bis 2019 dauern, bis wir wieder mit steigenden Zinsen rechnen können. Bei der heutigen EZB-Ratssitzung wurden zwar Änderungen beschlossen - aber auch klargestellt, dass Niedrigzinsen weiterhin notwendig sind für die Euro-Zone. Insgesamt zielen diese Maßnahmen darauf ab, das weitere Senken der Zinsen langsam abzubremsen.

Herr Prof. Rupprecht, viele Menschen in Deutschland beklagen sich über die niedrigen Zinsen, die sie aktuell auf ihrem Sparbuch oder Girokonto erhalten. Zu Recht?

Die Menschen nehmen zu Recht wahr, dass der Zinssatz dieser Anlageformen derzeit sehr niedrig ist; der zwischen Bank und Anleger vereinbarte Zins, auch Nominalzins, ist heute tatsächlich deutlich niedriger als vor ein paar Jahren. Da kann schnell der Eindruck entstehen: Ich habe mit meinem Geld damals mehr verdient als heute. Man muss jedoch weitere Einflussfaktoren betrachten. Denn: Wenn ich Geld zur Bank bringe und spare, möchte ich mir davon ja in der Regel zu einem späteren Zeitpunkt Güter kaufen. Neben dem nominalen Zins auf das Ersparte ist also auch wichtig, was diese Güter heute und morgen kosten. Die Preise sind in den letzten Jahren aber kaum gestiegen, bis heute fehlt der Inflationsdruck. Verrechnet man die Zinsen mit den gar nicht oder nur leicht zunehmenden Güterpreisen, betrachtet man die reale Verzinsung. Die fällt für Bankeinlagen derzeit zwar niedrig aus, ist teils sogar negativ - das war in den letzten 25 Jahren aber schon mehrfach der Fall. So gesehen ist der niedrige nominale Zinssatz derzeit also kein so großes Problem wie häufig angenommen. Und erst recht nicht, wenn man sich Geld leihen will; wer jetzt Geld braucht, freut sich darüber - nominal wie real.

Welche Tipps haben Sie für Leute, die anders sparen wollen?

Tendenziell wissen viele Menschen in Deutschland nur wenig über die Möglichkeiten, ihre Ersparnisse anzulegen. Infolgedessen verharren sie allzu häufig bei jenen Anlageformen, die sie kennen, also Bankeinlagen. Ich kann jedem nur empfehlen, sich diesbezüglich fortzubilden! Für die Grundlagen muss man nicht studieren, erstes Wissen hat man sich an zwei, drei Abenden Recherche oder mit einem VHS-Kurs angeeignet. Und es ändert sofort das Verhalten. So lassen sich Vorurteile abräumen, und jeder kann selbst versuchen Lücken zu finden, die sich lohnen - und die Wahl treffen, ob und womöglich wie man künftig anders sparen will, je nach individueller Situation.

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