Stipendiat des US-Kongresses studiert an der FH Münster

Peter King spricht über sein Leben, die Politik und über Flüchtlinge


Peter King interessiert sich für Politik, Wirtschaft und Flüchtlinge. (Foto: FH Münster/Pressestelle)
Peter King interessiert sich für Politik, Wirtschaft und Flüchtlinge. (Foto: FH Münster/Pressestelle)
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Münster (15. März 2016). Peter King spricht erstaunlich gut Deutsch, obwohl er die Sprache erst vor drei Jahren gelernt hat. Von wegen – Amerikaner sprechen immer nur Englisch. Der 23-Jährige liebt es, mit Vorurteilen aufzuräumen. In gewisser Weise ist das sogar sein Job. Peter King aus Portland durfte als Botschafter für sein Land an die FH Münster kommen: Er ist einer von 75 jungen Menschen in ganz Deutschland, die an dem Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP) des Deutschen Bundestages und des US-Kongresses teilnehmen. Ziel des PPP ist es, ein Netzwerk persönlicher Verbindungen zwischen jungen Menschen in den USA und in Deutschland zu schaffen.

Das hat bei King wunderbar funktioniert: „Bei meinem Gastsemester am Fachbereich Wirtschaft habe ich viele Freunde gefunden, und in meine Gastfamilie bin ich sehr gut integriert.“ Der Amerikaner hat bereits einen Bachelorabschluss in Politikwissenschaften vorzuweisen und studiert ab nächstem Jahr in Washington D.C. Jura. Die Zeit dazwischen wollte er nutzen, um sich weiterzuentwickeln, seine Sprachkenntnisse zu verbessern und „ein Abenteuer zu erleben“. Das PPP vereinte für ihn all diese Ziele. Er bewarb sich und bekam nach einem schwierigen Auswahlverfahren schließlich eine Zusage. „Darüber habe ich mich sehr gefreut.“

Die Vorteile des Programms liegen für ihn auf der Hand: Die Teilnehmer bekommen alle Reise- und Programmkosten erstattet und dürfen einen Intensivsprachkurs absolvieren. An der FH Münster ist King als Gasthörer eingeschrieben: „Dabei ist nicht das Ziel, dass wir Studienleistungen sammeln, sondern, dass wir die Sprache lernen und den kulturellen Austausch fördern.“ Er hat dazu Kurse in Wirtschaftsrecht, zu internationalen Märkten und der deutschen Kultur belegt. Vor Ort steht den Amerikanern ein Politiker als Pate zur Seite. Bei King ist das Maria Klein-Schmeink von den Grünen. Auch mit ihr suchte er das Gespräch.

Nun macht er gerade ein Praktikum bei einem Rechtsanwalt, den er am Fachbereich Wirtschaft kennengelernt hat. Außerdem, und das ist sein „Hauptpraktikum“, arbeitet er jede Woche 26 Stunden in der Oxford-Kaserne – natürlich ehrenamtlich – und hilft Flüchtlingen. Mal assistiert er der Einrichtungsleitung, mal gibt er Spenden aus oder spricht einfach mit den Menschen. „Ich glaube, die Langeweile ist ihr größter Feind.“ Die Zeit in Münster hat ihn persönlich weitergebracht: „Ein Auslandsaufenthalt bringt einem immer ein neues Level an Klarheit.“ Er sei sich nun sicher, dass er später etwas mit Asylrecht oder in jedem Fall mit internationalem Recht machen möchte. „Man baut Vorurteile ab, wenn man mit Menschen aus anderen Kulturen im Kontakt ist. Ich glaube, das ist auch einer der Gedanken, den Merkel mit ihrer Flüchtlingspolitik verfolgt.“

Doch nicht nur das politische Geschehen in Deutschland, auch die Vorwahlen für die Präsidentschaftswahl in seiner Heimat verfolgt der Politik-Student mit großem Interesse. Er findet, Donald Trump vereint alle negativen Vorurteile, die man mit Amerikanern assoziiert. „Ich weiß nicht, was es mit meiner amerikanischen Identität machen würde, wenn Trump Präsident wird.“ In den USA lehnten ein großer Teil der Menschen seine Politik ab, bei der es oft darum ginge, Ausländer schlecht zu machen und das Land zu verteidigen, macht King deutlich. In seinen Augen steht Amerika für Multikulturalität, Gleichheit und unbegrenzte Möglichkeiten.

Nun freut sich der 23-Jährige auf den Frühling, das Grillen am Aasee und auf das ein oder andere Feierabendbier. Die Stadt mag er – vor allem die Infrastruktur für Fahrräder. King ist Hobby-Rennradfahrer. Lustig findet er das Wort Ohrwurm, „das gibt es im Englischen nicht". Seine deutschen Sprachkenntnisse will er auf jeden Fall weiternutzen. „Egal, wo mein Weg hinführt, ich werde immer etwas mit Deutschland zu tun haben“, sagt er, packt seine Sachen und macht sich auf den Weg zur Kaserne. Ein neuer Arbeitstag wartet.

Zum Thema: Im September 1983 vereinbarten der Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika und der Deutsche Bundestag einen beidseitigen Jugendaustausch, das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP). Ziel des PPP ist es, ein Netzwerk persönlicher Verbindungen zwischen jungen Menschen in den USA und in Deutschland zu knüpfen, um gemeinsame politische Wertvorstellungen zu festigen und unterschiedliche Lebensweisen im anderen Land kennenzulernen.




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