Zwischen Einsatzprotokoll und Prüfungsstress: Lese-Rechtschreibschwierigkeiten in der Ausbildung von Notfallsanitäter:innen

Autor/innen

  • Eva Kircher SRH University of Applied Science Heidelberg, Campus Stuttgart https://orcid.org/0009-0003-9829-3285
  • Laura Johanna Stahl SRH University of Applied Science Heidelberg, Campus Stuttgart

DOI:

https://doi.org/10.25974/gjops.v3i1.65

Schlagworte:

Notfallsanitäter:innen, Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, Ausbildungsqualität, Patient:innensicherheit, Inklusion

Abstract

Hintergrund, Fragestellung: Schriftsprachliche Kompetenzen sind eine zentrale Voraussetzung professioneller Handlungskompetenz im Rettungsdienst. Notfallsanitäter:innen medizinische Informationen unter Zeitdruck zuverlässig erfassen, interpretieren und rechtssicher dokumentieren. Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (LRS) können diese Anforderungen erheblich beeinträchtigen und damit sowohl den Ausbildungserfolg als auch die Patientinnensicherheit beeinflussen. Trotz dieser hohen Anforderungen liegen bislang nur wenige empirische Daten zum Erleben von Auszubildenden mit LRS in der Notfallsanitäter:innenausbildung vor. Ziel der vorliegenden Studie war es, subjektive Belastungen, Ressourcen sowie wahrgenommene Unterstützungsbedarfe dieser Auszubildenden systematisch zu erfassen.

Methodik: Die Untersuchung wurde als quantitative, querschnittliche Online-Befragung durchgeführt. Befragt wurden 23 Auszubildende im dritten Ausbildungsjahr aus mehreren Berufsfachschulen in Baden-Württemberg. Ein selbst entwickelter Fragebogen erfasste mittels geschlossener Items auf einer vierstufigen Likert-Skala sowie ergänzender offener Fragen Aspekte der Lese- und Schreibanforderungen, Prüfungssituationen, Einsatzdokumentation, Teaminteraktion sowie genutzte und gewünschte Unterstützungsmaßnahmen. Die Auswertung erfolgte deskriptiv; offene Antworten wurden thematisch zusammengefasst.

Ergebnisse: Die Studienbefunde zeigen ein in zentralen Bereichen konsistentes Belastungsprofil. Besonders häufig wurden Schwierigkeiten beim Lesen komplexer medizinischer Fachtexte, ein verlangsamtes Lesetempo sowie ein erhöhter Wiederholungsbedarf berichtet. Zeitdruck wirkte insbesondere in schriftlichen Prüfungssituationen als verstärkender Faktor. Die Einsatzdokumentation stellte für viele Teilnehmende eine zusätzliche Belastung dar, insbesondere im Hinblick auf orthografische Sicherheit und professionelle Außenwirkung. Die Wahrnehmung sozialer Akzeptanz im Team variierte. Als unterstützend wurden vor allem digitale Hilfsmittel, strukturierte Dokumentationssysteme sowie transparente Prüfungsbedingungen beschrieben. Zudem bestand ein ausgeprägter Wunsch nach stärkerer Sensibilisierung von Lehrkräften und Praxisanleitenden.

Diskussion: Die Ergebnisse legen nahe, dass LRS unter den spezifischen Bedingungen der Notfallsanitäter*innenausbildung eine relevante, bislang unterschätzte Einflussgröße darstellen. Die Befunde stehen im Einklang mit internationalen Studien aus der Pflege- und Medizinausbildung und unterstreichen die Bedeutung struktureller und didaktischer Unterstützungsmaßnahmen.

Fazit: Eine frühzeitige Sensibilisierung des Ausbildungspersonals, der gezielte Einsatz digitaler Unterstützungsangebote sowie transparente Regelungen zu Nachteilsausgleichen können dazu beitragen, Belastungen zu reduzieren, Ausbildungserfolg zu fördern und potenzielle Risiken für die Patient*innensicherheit zu minimieren.

Veröffentlicht

2026-02-04