PACE-CH: Fluktuation, Karriere und Beschäftigung von Rettungssanitätern in der deutschsprachigen Schweiz: Wahrgenommene Führungsqualität, Arbeitszufriedenheit und Fluktuationsabsicht
DOI:
https://doi.org/10.25974/gjops.v3i1.70Schlagworte:
Rettungswissenschaften, Rettungsdienst, Führungsqualität, Arbeitsplatzwechselbereitschaft, ArbeitszufriedenheitAbstract
Hintergrund: Führungsqualität wird im Rettungsdienst konsistent mit Arbeitszufriedenheit und Turnover Intention (TI, Absicht, die Stelle zu wechseln oder den Beruf aufzugeben) in Verbindung gebracht. Für den deutschsprachigen Schweizer Rettungsdienst fehlte bislang ein validiertes Messinstrument. PACE-CH ist die erste systematische Querschnittsstudie, die diese Zusammenhänge in diesem Kontext untersucht.
Methodik: Im Januar und Februar 2024 wurden zwei parallele Befragungen durchgeführt: 338 Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter im Einsatzdienst sowie 53 Führungspersonen aus deutschsprachigen Schweizer Rettungsdienstorganisationen nahmen teil. Es wurde ein Score mit sechs Items zur wahrgenommenen Führungsqualität (Perceived Leadership Quality Score, PLQS) entwickelt, der auf dem Empowering Leadership Questionnaire und Job-Demands-Resources-Modell aufbaut. Die Turnover Intention wurde als fünfstufige ordinale Variable operationalisiert. Zur Auswertung kamen ordinale logistische Regression, Spearman-Korrelationen sowie eine explorative Bootstrap-Mediationsanalyse mit 5'000 Simulationen zum Einsatz. Alle p-Werte wurden nach Benjamini-Hochberg adjustiert.
Ergebnisse: Der mittlere PLQS betrug 3,12 (SD 0,82; α = 0,881; CFI = 0,960, SRMR = 0,039). Der PLQS zeigte einen mittelstarken bis starken negativen Zusammenhang mit der TI (r = −0,448) sowie starke positive Zusammenhänge mit der Arbeitszufriedenheit (r = 0,640) und der Arbeitgeberempfehlung (r = 0,662). Jede Einheitszunahme des PLQS war mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für eine höhere TI assoziiert (OR = 0,21, 95%-KI [0,13; 0,33]; Nagelkerke R² = 0,235). Der PLQS allein erklärte 45,1% der Varianz in der Arbeitszufriedenheit. Die explorative Mediationsanalyse ergab, dass die Arbeitszufriedenheit 51,7% des Gesamtzusammenhangs zwischen PLQS und TI vermittelte (ACME = −0,189, 95%-KI [−0,306; −0,081], p = 0.002). Es wurden keine signifikanten Unterschiede nach Organisationstyp, Geschlecht oder Generation festgestellt.
Diskussion: Die wahrgenommene Führungsqualität zeigte im Querschnitt stärkere Zusammenhänge mit allen drei bindungsrelevanten Outcomes als die erhobenen demografischen und organisationalen Kovariaten. Die Mediationsbefunde sind exploratorischer Natur und bedürfen einer longitudinalen Replikation.
Schlussfolgerungen: Wahrgenommene Führungsqualität ist eine plausible und messbare Dimension im Arbeitsumfelds des deutschsprachigen Schweizer Rettungsdienstes. Dort werden bereits beträchtliche Mengen an Personaldaten erhoben; was derzeit fehlt, ist eine systematischere Auswertung dieser Daten sowie eine Rückmeldung an Mitarbeitende an der Front und an Vorgesetzte.
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