Was bedeutet Professionalität im Rettungsdienst? Eine qualitative Studie aus Sicht von Notfallsanitäter*innen

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.25974/gjops.v3i1.68

Schlagworte:

Rettungsdienst, Notfallsanitäter, Professionalität, Qualitative Forschung, Gruppendiskussion

Abstract

Hintergrund: Mit der Etablierung des Berufsbildes der Notfallsanitäter*innen (NFS) gewinnt die Frage nach „Professionalität“ im deutschen Rettungsdienst an Bedeutung, bleibt jedoch begrifflich uneinheitlich und empirisch bislang nur selten aus Perspektive der Berufsgruppe untersucht.

Ziel: Ziel dieser stichprobenartigen qualitativen Studie war es zu explorieren, was NFS unter Professionalität im Berufsalltag verstehen und welche Faktoren die Ausprägung bzw. Entwicklung professionalisierten Handelns beeinflussen.

Methode: Es wurden drei qualitative Gruppendiskussionen mit insgesamt sieben NFS (n=6 männlich, n=1 weiblich; Durchschnittsalter ca. 28 Jahre; durchschnittliche Berufserfahrung knapp 3 Jahre) durchgeführt. Die Gespräche (Ø ca. 48 Minuten) wurden audioaufgezeichnet, transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet (Kategorienbildung deduktiv und induktiv). Ethische Standards (Freiwilligkeit, Anonymisierung, informierte Einwilligung) wurden eingehalten; eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Deutschen Gesellschaft für Rettungswissenschaften lag vor.

Ergebnisse: Professionalität wird von den Teilnehmenden als mehrdimensionales „Gesamtpaket“ beschrieben, das über Fachwissen hinausgeht. Zentrale Dimensionen sind (1) fachliche Kompetenz (sichere, leitlinien- bzw. standardorientierte Maßnahmen; Fortbildungsorientierung), (2) soziale Kompetenz (Empathie, Kommunikation, respektvolles Auftreten, Teamfähigkeit), (3) methodische Kompetenz (strukturierte Vorgehensweisen, situative Flexibilität, eigenverantwortliche Entscheidungen) und (4) persönliche Kompetenz (Belastbarkeit, Selbstreflexion, kontinuierliche Selbstentwicklung). Einflussfaktoren umfassen u. a. Teamkultur und Feedback, Vorbilder (role modeling), Fort- und Weiterbildungen (insb. Simulation und Debriefing), Arbeitsbedingungen (Belastung, Pausen, Personalmangel) sowie regionale Unterschiede in Vorgaben und Ausbildungsstrukturen.

Fazit: Die Ergebnisse deuten auf Professionalität als lebenslangen Entwicklungsprozess hin, der gleichermaßen individuelle Motivation und förderliche Rahmenbedingungen erfordert. Ansatzpunkte für Förderung sind breit angelegte Fortbildungskonzepte (fachlich und „soft skills“), systematisches Mentoring/Role Modeling, simulationsbasiertes Training mit Reflexion sowie eine Stärkung von Fehler- und Feedbackkultur; perspektivisch erscheint eine Harmonisierung der Ausbildungsstandards relevant.

Veröffentlicht

2026-05-23

Ausgabe

Rubrik

Professionalisierung

Kategorien