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Befragung zu Demokratie und Zusammenhalt in NRW, Münster, Coerde und dem Kreuzviertel

Mittels standardisierter Befragungen in NRW, Münster, Coerde und dem Kreuzviertel werden Einstellungen zur Demokratie, Vertrauen in Institutionen sowie zur politischen Kultur erhoben und ausgewertet.

Zur Erreichung des Projektziels wird ein mehrstufiges empirisches Vorgehen gewählt. Gemeinsam mit Studierenden der Sozialen Arbeit wurde zunächst ein standardisierter Fragebogen entwickelt, der die Zustimmung zur Demokratie, politische Selbstwirksamkeit und Responsivität, das Vertrauen in staatliche und gesellschaftliche Institutionen, soziale Sorgen, die Bewertung des Wohnumfelds, das Sicherheitsgefühl sowie die Bedeutung lokaler Vertrauenspersonen erfasst. Anschließend wurden 1.000 Menschen aus Nordrhein-Westfalen und 800 Menschen aus Münster online befragt. Ergänzend fanden kleinräumige Erhebungen in den Münsteraner Stadtteilen Coerde und Kreuzviertel statt, um Unterschiede zwischen Landes-, Stadt- und Quartiersebene sichtbar zu machen. Die erhobenen Daten werden qualitätsgeprüft, deskriptiv ausgewertet und hinsichtlich räumlicher sowie sozialstruktureller Unterschiede miteinander verglichen. 

Die Studierenden werden in die Aufbereitung, Interpretation und öffentliche Vermittlung der Ergebnisse einbezogen. Die Befunde wurden erstmals auf dem NRW-Tag 2026 präsentiert und werden anschließend für die wissenschaftliche Diskussion sowie für Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft aufbereitet. Auf diese Weise entsteht ein empirisch fundiertes Lagebild darüber, wie demokratische Einstellungen, Institutionenvertrauen, gesellschaftliche Sorgen und lokale Erfahrungen miteinander zusammenhängen. 

Die Ergebnisse zeigen, dass 89,7 Prozent der Befragten in Nordrhein-Westfalen die Demokratie für die beste Staatsform halten. Gleichzeitig haben nur 20,4 Prozent das Gefühl, politischen Einfluss zu besitzen, und lediglich 13,7 Prozent meinen, die Politik interessiere sich für ihre Sorgen. Besonders großes Vertrauen genießen Wissenschaft, Polizei und Gerichte, während politische Institutionen deutlich skeptischer bewertet werden. Die größten Sorgen sind ökonomischer Natur und betreffen insbesondere steigende Lebenshaltungskosten, den gesellschaftlichen Zusammenhalt, Pflege, Rente und bezahlbaren Wohnraum. 70,9 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass es in Deutschland nicht mehr gerecht zugehe. Zugleich wird die Bedeutung lokaler Vertrauenspersonen sichtbar: 32 Prozent kennen in ihrem Stadtteil eine Person, die sich besonders für die Demokratie engagiert. Diese Befragten werden mehrheitlich als vertrauenswürdig und gemeinschaftsfördernd wahrgenommen. 

In Münster ist die Zustimmung zur Demokratie ähnlich hoch, während das Vertrauen in lokale Institutionen stärker ausgeprägt ist. Bezahlbarer Wohnraum und Klimawandel bereiten hier überdurchschnittlich große Sorgen. Der Vergleich von Coerde und Kreuzviertel zeigt zudem, dass lokale Lebensbedingungen, Sicherheitswahrnehmungen und die Sichtbarkeit engagierter Personen erheblich variieren. Insgesamt weisen die Ergebnisse weniger auf eine grundsätzliche Ablehnung der Demokratie als auf Defizite bei erlebter politischer Responsivität, Gerechtigkeit und Wirksamkeit hin. Gleichzeitig zeigen sie das Potenzial lokaler Institutionen und engagierter „Kümmerer“, demokratisches Vertrauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.


Das Projekt wird im Rahmen eines Theorie- und Praxisprojekts an der FH Münster verortet.

 

Projektleitung


Prof. Dr. rer. pol. habil. Sebastian Kurtenbach
Fachbereich Sozialwesen
Friesenring 32
48147 Münster
Tel: +49 251 83-65745
Fax: 65702

kurtenbachfh-muensterde

Projektzeitraum


vom 01.06.2026 bis 31.12.2026

Finanzierung


  • FB Sozialwesen

Weitere Informationen:


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