Ob Freizeit, Erholung oder Arbeit, ein Leben ohne elektrisches Licht ist heute in unserer modernen Gesellschaft undenkbar. Möglich gemacht haben dies findige Ingenieure und Designer. Worin die maßstabsetzenden technisch-funktionalen wie ästhetischen Lösungen zwischen 1920 und 1990 bestehen, hat ein studentisches Arbeitsteam der MSD an Schreibtisch- und Werkstattleuchten untersucht.

Kaiser idell

Das Arbeitsteam, dem Anne Diers, Ursus Haaben, Anna Hagemann, Antonia Gaida, Nele Marie Kehmann und Jeanne Lengersdorf angehören, hat die Ergebnisse der Analyse umgesetzt in die Ausstellung "Gelenktes Licht". In drei Abschnitten wird anhand bedeutender Konstruktions- und Gestaltungslösungen unter historischen, technischen und ästhetischen Gesichtspunkten die spannende Entwicklung der Arbeitsleuchten nachgezeichnet.  Zentrales Ergebnis: Metall als stabiles und unendlich formbares Material sowie neuartige mechanische Kugel- und Scherengelenke, Gleichgewichtssysteme, Feder- und Seilzugmechaniken sind entscheidende Voraussetzungen, damit jedermann am Arbeitsplatz einfach und sicher das Licht flexibel ausrichten kann.

Über die Informationsebene hinaus bietet die Ausstellung, die unter der Betreuung von Prof. Claudia Grönebaum, Prof. Dr. Reinhold Happel und Prof. Peter Kaiser entstanden ist, aber noch mehr. Da es inhaltlich um Licht für Arbeitsplätze geht, können alle Besucher die eigens für die Schau konzipierten Tische auch konkret als Arbeitstische benutzen. Man darf sich also zum Lesen oder Schreiben setzen und die verschiedenen Leuchten gemäß ihrer Funktion bei Bedarf einschalten.

Anglepoise

Zu sehen sind Schreibtisch- und Arbeitsleuchten, die 1928/29 am Bauhaus entwickelt worden sind (Marianne Brandt/Hin Bredendieck). Daneben Beispiele aus der sehr erfolgreichen Leuchtenfamilie "Kaiser idell", die Christian Dell, der ehemalige Leiter der Bauhaus-Metallwerkstatt, in den 1930er Jahren für die Firma Kaiser in Neheim bei Arnsberg entworfen hat. Die internationalen Beispiele innovativer Leuchten beginnen mit der hochästhetischen "EB27" des französischen Ingenieurs Eduard-Wilfried Buquet (1927), der wenig später der englische Ingenieur George Carwadine mit seiner "Angelpoise" (1932) folgt. Deren Federzugtechnik ist die heute am weitesten verbreitete Mechanik für Schreibtischleuchten. Ein bekanntes Beispiel ist die "Tertial" von IKEA (seit 1998 in der Produktion).

Kaiser Gazelle

Aus Italien kommen in den 1970er und 80er Jahren mit Richard Sappers "Tizio" (1972), Tomasso Ciminis "Daphine" (1973), Michele DeLucchis "Tolomeo" (1986) und der "Nastro" von Alberto Frazer (1983) Leuchten, bei denen die Designer unter Einbeziehung des neuen Halogenlichtes die bisherigen technischen Konstruktionslösungen gestalterisch neu interpretiert haben und erfolgreich zu ästhetisch hochwertigen Lösungen führten.

Eröffnet wird die kleine, aber feine Ausstellung am Donnerstag, den 3. Mai um 18.00 Uhr im Foyer des Fachbereichs Design am Leonardocampus 6 in Münster. Sie ist bei freiem Eintritt vom 4. Mai bis 6. Juni 2018, jeweils montags bis freitags von 9.00 bis 19.00 Uhr, zu besichtigen.


(Fotos: MSD)

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