Leicht, robust – und fast unsichtbar

Wasserflaschen im „Sixpack“: Verpackungsfirma Hi-Cone zeichnet Entwürfe von Design-Studierenden der Fachhochschule Münster aus


Unter der Leitung von Prof. Torsten Wittenberg (2.v.l.) hatten 13 Design-Studierende Ideen für ein neues Tragesystem, das sechs Wasserflaschen verbindet, entwickelt. Hans-Jürgen Meyer (r.) und Anna-Sophie Schmitz (M.) von der Verpackungsfirma Hi
Unter der Leitung von Prof. Torsten Wittenberg (2.v.l.) hatten 13 Design-Studierende Ideen für ein neues Tragesystem, das sechs Wasserflaschen verbindet, entwickelt. Hans-Jürgen Meyer (r.) und Anna-Sophie Schmitz (M.) von der Verpackungsfirma Hi-Cone zeichneten die besten Entwürfe aus. (Foto: FH Münster/Pressestelle)
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Münster (18. März 2013). „Wir haben uns mit etwas beschäftigt, das man eigentlich gar nicht sehen soll.“ So brachte Prof. Torsten Wittenberg vom Fachbereich Design der Fachhochschule Münster die Herausforderung der Aufgabe auf den Punkt. Unter seiner Leitung hatten 13 Studierende Verpackungs- und Tragesysteme für ein Multipack aus sechs 1,5-Liter-PET-Wasserflaschen entwickelt. Jetzt haben Hans-Jürgen Meyer, Vizepräsident der Verpackungsfirma Hi-Cone, und Anna-Sophie Schmitz, Managerin für Business Development, die Ideen der Studierenden ausgezeichnet.

Das Projekt war bereits die zweite Zusammenarbeit zwischen den Produktdesignern der FH Münster und dem amerikanischen Weltmarktführer für kunststoffbasierte Multiverpackungssysteme. Im ersten Projektseminar hatten Tragesysteme für Energy-Drinks in Dosen im Mittelpunkt gestanden – ein Segment, in dem der Preisdruck nicht so groß ist wie im hart umkämpften Markt der Wasserflaschen. „Besonders bei den Discountern kommt es dort mittlerweile schon auf Kosten an, die im Millicent-Bereich liegen“, so Meyer.

Deshalb waren die Kosten auch eines der vier Kriterien, nach denen acht Hi-Cone-Mitarbeiter aus Deutschland, Spanien und den USA die Entwürfe bewerteten. „Für die Kosten ist das Gewicht des Verpackungsmaterials entscheidend“, erläuterte Schmitz, die bei Hi-Cone für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder zuständig ist. Die momentan verwendete Verpackung sei durch die zweilagige Kunststofffolie mit  knapp 20 Gramm relativ schwer und somit teuer. Weitere Schwerpunkte bei der Bewertung waren der Tragekomfort für den Konsumenten und technische Faktoren, etwa die Herstellung der Verpackung sowie die Anbringung des Produktes an den Wasserflaschen.

Hendrik Ickerott hatte diese Anforderungen aus Sicht des Unternehmens am besten umgesetzt: Er gewann mit seinem Entwurf „Tip Top 2“ den 1. Platz und somit 1500 Euro Preisgeld. „Sein Produkt ist mit weniger als zehn Gramm extrem leicht, aber trotzdem stabil“, lobte Schmitz. Da nur überschaubare Veränderungen an den vorhandenen Maschinen nötig wären, um den Entwurf umzusetzen, sei geplant, eine dem „Tip Top 2“ ähnliche Verpackung etwa in einem Jahr testweise zu produzieren und dem Kunden vorzustellen. Robust, aber ein Gramm schwerer als der Siegerentwurf ist das Konzept „Gummy Bear“ von Olli Meier, das mit dem 2. Preis im Wert von 1000 Euro ausgezeichnet wurde. Ein konsumentenfreundlicher langer Tragegriff charakterisiert den Entwurf „Pull it together II“ von Christina Sicoli, der ihr den 3. Platz (500 Euro) einbrachte.

Dass es sich manchmal lohnt, nicht starr an Vorgaben festzuhalten, sondern neue Wege einzuschlagen, zeigten Theresa Albert und Imke Höfker. Die Studentinnen konnten sich über Kreativ-Sonderpreise im Wert von je 250 Euro freuen. Bei Alberts Entwurf „No Label“ sind die Etiketten der Wasserflasche zugleich die Verpackung, die den Sechserpack zusammenhält – ein Verfahren, das im Supermarkt viel Müll vermeiden würde. Höfkers Entwurf „Just three“ hat zum Ziel, den schweren Multipack handlicher zu gestalten: Kurzerhand entwickelte die Studentin Plastikringe, die jeweils nur drei Flaschen verbinden. Statt an einem Griff trägt der Konsument die Flaschenpakete direkt an der „Taille“ einer Flasche.

Insgesamt hatten die Nachwuchsdesigner innerhalb von drei Monaten 55 neue Konzepte entwickelt. „Zuerst sind wir in den Supermarkt gegangen und haben uns angeschaut, wie die Verpackung von Wasserflaschen heute gelöst ist und wie sich solch ein neun Kilo schweres Wasserpaket trägt“, beschrieb Wittenberg den Anfang des kreativen Prozesses. „In der Hochschule haben wir auf Papier viele Modelle entworfen und dann aus der Originalkunststofffolie zugeschnitten“, berichtete Studentin Theresa Albert. „Beim Experimentieren haben wir dann gemerkt, ob der Griff hält und was wir verändern müssen.“

Unternehmensvertreterin Schmitz zeigte sich begeistert von den Ergebnissen des Projektes. „Wir haben zeitgleich eine Designagentur mit dieser Aufgabe beauftragt – aber eure Entwürfe waren eindeutig besser“, war ihre Rückmeldung an die Studierenden.

Zum Thema:

Die Ausbildung am Fachbereich Design der Fachhochschule Münster schließt das gesamte Designspektrum durch die vier angebotenen Schwerpunkte Kommunikationsdesign, Illustration, Mediendesign und Produktdesign ein. Sie bietet den Studierenden ein ungewöhnlich offenes Feld für experimentelle Gestaltungen und zielbezogene Denkansätze, die optimal für den beruflichen Alltag vorbereiten. Neben dem Bachelorstudiengang Design bietet der Fachbereich den Masterstudiengang „Design – Information und Kommunikation“ an.




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