Nicht mehr lange, dann begrüßen wir alle die neuen Studierenden an unseren Fachbereichen. Man erkennt sie daran, dass sie oft in Gruppen unterwegs sind, ein bisschen verloren aussehen, an ungünstigen Stellen stehenbleiben und dabei den Weg blockieren. Im Laufe des Semesters wird sich die neue Kohorte an der Hochschule und in ihrem Studium einleben. Schnell kommt jedoch ein ernüchternder Gedanke: Die meisten von ihnen werden nie wieder so motiviert im Studium sein, wie in diesen ersten aufregenden Wochen.

Mehr als ein Viertel aller Studierender bricht das Studium ab. Die häufigsten Gründe sind Leistungsprobleme, finanzielle Probleme und eine mangelnde Studienmotivation (Heublein et al. 2017).

Aber woran liegt es, dass die Motivation besonders im Laufe des ersten Semesters sinkt? Hierfür sind viele Gründe verantwortlich, die zu einer ungünstigen Passung zwischen den individuellen Studierenden und ihrer Studienumgebung führen: Es gibt ungünstige Rahmenbedingungen, schwierige Fächer mit hohem Anforderungsniveau und natürlich auch Gründe, die in den einzelnen Studierenden selber liegen. Darüber hinaus kommt es in der Lehre gelegentlich zu demotivierenden Handlungen durch Lehrende.

Gehen Sie Ihre Lehrveranstaltungen des nächsten Semesters im Kopf durch und fragen Sie sich, welche der folgenden Hinweise Sie aktuell bereits berücksichtigen. Welche ließen sich zusätzlich integrieren?

- Studierenden wird präzise mitgeteilt, was sie erreichen sollen. Sie kennen die Lehr- und Lernziele der Lehrveranstaltung sowie deren Relevanz für das weitere Studium oder ihre Berufstätigkeit.

- Sie verwenden aktuelle Beispiele, die an der Erfahrungswelt der Studierenden anknüpfen und auf ein Lernziel hindeuten.

- Studierende haben Wahlmöglichkeiten und Spielräume. Sie können eigene Wege gehen bei der Erarbeitung der Lerninhalte. Gleichzeitig erhalten sie ausreichend Orientierungs- und Strukturierungshilfen.

- Sie geben Studierenden differenzierte Rückmeldung auf ihren Leistungsstand: Was können sie gut, wo gibt es noch Verbesserungspotentiale?

- Das soziale Lernklima in Ihrer Lehrveranstaltung ist angenehm. Studierende befürchten keine unangenehmen Konsequenzen, wenn sie sich beteiligen. Ihre Vorerfahrungen werden aufgegriffen und wenn möglich einbezogen.

Motivierend zu lehren sollte nicht gleichgesetzt werden mit einem "Kuschelkurs". Die meisten Lehrveranstaltungen zu Studienbeginn sind und bleiben herausfordernd. Aber wenn es gelingt, die Studienmotivation im ersten Semester annähernd auf dem Anfangsniveau zu halten, geben wir Studierenden genügend Zeit, um zu verstehen wie Hochschule funktioniert. Dann nutzen hoffentlich viele die Chance, ihr Studium im zweiten Semester erfolgreich fortzusetzen.

Diese und weitere Hinweise finden Sie im Werkstattbericht Band 2 "Motivation" (Harth 2014), erhältlich bei uns im Wandelwerk. Was tun Sie, um die Motivation Ihrer Studierenden aufrechtzuerhalten oder gar zu steigern? Schicken Sie gerne Ihre Beispiele an janina.tosicfh-muensterde und vielleicht werden sie in einem zukünftigen Newsletter verwendet.

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