Hilfe für Menschen mit Darmerkrankungen
In ihrer Bachelorarbeit am Fachbereich Design unserer Hochschule konzipierte Sophie Neiss die App „Coli“, ein digitales Darmtagebuch. Nun verfolgt sie das Projekt weiter, um es zur fertigen Anwendung zu entwickeln.

Bei Parcours, der Ausstellung der Design-Abschlussarbeiten der MSD, bekam Sophie Neiss viel Zuspruch für ihre App „Coli“. (Foto: FH Münster/Anna-Lena Spiekermann)

Die App „Coli“ soll als digitales Darmtagebuch mit vielfältigen Funktion Hilfe für Menschen mit Darmerkrankungen und -probleme bieten. (Visualisierung: Sophie Neiss)
Hilfe für Menschen mit Darmerkrankungen und -problemen, das wollte FH-Alumna Sophie Neiss mit ihrer Bachelorarbeit geben. Mit der App „Coli“ konzipierte sie ein digitales Darmtagebuch mit vielfältigen Funktionen – zunächst als Prototyp. Damit die App zukünftig allen Betroffenen zur Verfügung steht, verfolgt die ehemalige Studentin unserer Hochschule das Projekt auch nach ihrem Abschluss als Kommunikationsdesignerin weiter.
2023 bekam Neiss die Diagnose Colitis ulcerosa, eine chronische Darmerkrankung. „Damit befand ich mich in einer neuen Lebensrealität und war erst mal etwas überfordert mit dem, was die Diagnose für mich bedeutet“, erinnert sich die FH-Alumna. Symptome dokumentieren, ein Medikament nach dem anderen ausprobieren und die Reaktionen des Körpers im Zusammenhang mit Mahlzeiten, Medikation und Co. beobachten: „Mit Stift und Papier war das sehr mühsam.“ Apps habe sie zu dem Zeitpunkt keine gefunden, die ihren Ansprüchen als Betroffene in der Anwendungsfreundlichkeit entsprochen haben. „Dann ist das jetzt meine Aufgabe“, sagte sich Neiss, und der selbstgewählte Auftrag ihrer Bachelorarbeit am Fachbereich Design, der Münster School of Design (MSD), stand fest.
„Ich hatte in der Anfangszeit meiner Diagnose viel Zeit zu reflektieren. Ich habe selbst gemerkt, mit welchen Problemen Betroffene von Darmerkrankungen konfrontiert sind und habe mir überlegt, welche sich mit einer App lösen lassen.“ Intuitiv, anwendungsfreundlich, niedrigschwellig und barrierefrei sollte die Anwendung sein. So konzipierte Neiss ein digitales Darmtagebuch. Die Nutzer*innen tragen darin ihre Daten von Stuhlgang über Mahlzeiten bis zu Symptomen digital ein. Dabei hilft beispielsweise ein Mahlzeitenscanner per Foto oder Barcode. Die App visualisiert den Krankheits- und Symptomverlauf in Statistiken, die sich individuell anpassen lassen. „Dabei denkt die App sogar mit. Wer Unverträglichkeiten angegeben hat, bekommt Warnmeldungen, wenn ein Gericht wahrscheinlich unverträgliche Komponenten enthält. Und die App lernt, was normal für die betroffene Person ist und zeigt dann an, wenn die Symptome ungewöhnlich verlaufen“, erklärt Neiss. Wie ausführlich die Nutzer*innen ihre Daten eintragen, bleibt ihnen überlassen. Die wichtigsten Angaben fordert „Coli“ jedoch täglich an, sodass in der statistischen Auswertung keine Lücken entstehen.
Bei Parcours, der Ausstellung der Design-Abschlussarbeiten der MSD, stellte Neiss ihre App vor – zunächst einen klickbaren Prototyp. „Bei der Ausstellung habe ich ganz tolle Gespräche geführt, das hat mich sehr bestärkt, mein Projekt weiterzuverfolgen. Viele fanden die App äußerst sinnvoll und mit betroffenen Personen war ich direkt in sehr intensivem Austausch“, so die Designerin.
Dass „Coli“ einmal allen Betroffenen zur Verfügung steht, ist Neiss´ erklärtes Ziel. Dafür steht sie in Kontakt mit dem REACH – Euregio Start-up Center der Universität Münster sowie der FH Münster, das mit Programmen zur Gründungsförderung zur Seite steht. Die Ideen, geplanten Funktionen und das Design für die App stehen. „Es war herausfordernd, irgendwann einen Punkt zu machen, da mir noch so viele Ideen kamen, welche Funktionen man noch hinzufügen könnte“, erzählt die Designerin. „Ich bin aber stolz darauf, dass die App bereits so durchdacht ist und die Idee bei anderen Betroffenen so gut ankommt.“ Auf Grundlage des Prototyps kann die Anwendung nun programmiert und die notwendigen Daten müssen hinterlegt werden. An dieser Stelle komme ihr Bruder mit ins Team, der als Softwareentwickler das Projekt unterstützt.