Ziele

Ziel der Status-Quo-Ante-Befragung im Wintersemester 2021/22 war es, zu erfahren,

  • wie Studierende bestimmte Themenfelder des Projekts Lernkultur 4.0 vor Start der Projektarbeit bewerten und
  • erste Anregungen für Entwicklungsanliegen der Studierenden oder konkrete Projektideen zu erhalten.

Die beiden zentralen Themenfelder waren:

  • Aufenthaltsqualität: Wo lernen unsere Studierenden gern allein und in Gruppen? Wie bewerten sie die verschiedenen Standorte unserer Hochschule? Welche Veränderungswünsche haben sie?
  • Flexibilität im Sinne individueller Lernwege: Wie erleben unsere Studierenden z. B. ihre Gestaltungsspielräume durch Wahlpflichtmodule und Vertiefungsrichtungen? Wie sehr nutzen sie die Möglichkeiten der Anerkennungen und Anrechnungen andernorts erbrachter Leistungen? Welche Freiheitsgrade im Studium wünschen sie sich eigentlich?

Als kleineres Thema berücksichtigen wir zudem:

  • Interdisziplinarität: Welche Erfahrungen mit fachübergreifenden Lehrveranstaltungen haben unsere Studierenden?

Rücklauf

Alle Studierenden der FH Münster wurden zu einer über evasys abgewickelten Online- Befragung eingeladen.

  • Grundgesamtheit (Listserver FH-Studierende): N = 16.545
  • Befragungszeitraum: 16.11 - 05.12.2021
  • Befragungsdauer: 10 - 15 Minuten

Rücklauf insgesamt: n=1.956 (11,8 %)

Wegen des deutlich höheren Anteils der Bachelorstudierenden in unserer Hochschule (78,0 %), dominieren ihre Antworten in ungefilterten Auswertungen. Innerhalb der beiden Subgruppen - Bachelor- und Masterstudierende - war der Rücklauf in etwa gleich hoch.

Besonders hoch war der Rücklauf mit Werten von über 15 % aus den Fachbereichen

  • Oecotrophologie und Facility Management
  • Design
  • Gesundheit
  • Sozialwesen.

Aufgrund der hohen Studierendenzahlen in den Fachbereichen Sozialwesen und Wirtschaft dominieren insgesamt die Studierenden dieser beiden Disziplinen. In der Summe ergibt sich bei nicht gefilterten Aussagen eine deutliche Dominanz der Münsteraner Fachbereiche:

  • Münster: 1478 (75,6 %)
  • Steinfurt: 451 (23,1 %)
  • Keine Angabe: 27 (1,3 %)

Der Rücklauf spiegelt aber in etwa die Verteilung der Studierenden auf die beiden Standorte wider und ermöglicht zudem standortspezifische Auswertungen.

Zentrale Ergebnisse

Aufenthaltsqualität

  • Studierende benötigen unterschiedliche Räume für unterschiedliche Lernaktivitäten. Beim konzentrierten Lernen allein spielen vor allem Privaträume und Bibliotheken eine wichtige Rolle. Vor allem bei Gruppenarbeiten fällt die häufige Nutzung von Cafés und der Natur ins Auge.

  • In der Hochschule vermissen Studierende ähnliche Arbeitsbereiche: Cafés, die auch als Lernorte genutzt werden können, attraktive Außenanlagen, leise Rückzugsbereiche. Wichtig ist dabei eine explizite Trennung von Zonen nach "leise, konzentriert" und "kommunikativ, aktiv".

  • Das wichtigste Attribut für die Gestaltung einladender Lernräume ist aus Sicht der Studierenden "gemütlich": Studierende wünschen sich in der Hochschule eine Atmosphäre "wie zuhause".

  • Studierende sehen - anders als gängige Raumpläne - keine Notwendigkeit, zwischen Lernräumen und Selbstlernräumen oder zwischen Selbstlernräumen und reinen Aufenthaltsbereichen zu unterscheiden: So können sie z. B. in einem gemütlichen Lerncafé ebenso gut ihre Pausen verbringen wie auch Gruppenarbeiten erledigen.

Als Quintessenz der Auswertung zitieren wir hier eine Rückmeldung aus dem Fachbereich Wirtschaft: 

"Lernen geht besser, wenn man sich wohl fühlt!"

Kontakt und digitaler Austausch

  • Unsere Studierenden sind an Präsenz interessiert: Drei Viertel von ihnen schätzen den persönlichen Kontakt untereinander als sehr wichtig oder eher wichtig ein. Auch bei allen untersuchten Gruppen, in denen dieser Anteil niedriger ist (z. B. Studierende mit Kindern, Teilzeit-Studierende), liegt diese Quote immer noch über 60 %.
  • Das mit Abstand wichtigste digitale Tool, über das Studierende miteinander kommunizieren, ist WhatsApp. Alternative Anbieter wie Signal oder Telegram spielen keine nennenswerte Rolle. Dasselbe gilt auch für ILIAS.
  • Je nach Fachbereich könnte es jedoch, auch in Hinblick auf das Marketing lohnend sein, die zunehmende Nutzung von Discord und Instagram bei Bachelorstudierenden näher zu untersuchen.
  • Als wichtigste Anregung der Studierenden zur digitalen Vernetzung sei hier der Wunsch nach Einrichtung digitaler Foren erwähnt, in denen sich Studierende (ohne Lehrende) in ihrem Kurs, ihrer Kohorte, ihrem Studiengang und in ihrem Fachbereich austauschen können. Auch würden sie gern selbst bedarfsorientiert Gruppen einrichten können, z. B. zur gemeinsamen Arbeit in einer Lerngruppe, aber auch zur fachbereichsübergreifenden Vernetzung.

Gestaltungsspielräume im Studium

  • Die Hälfte unserer Studierende fände ein Studium ideal, in dem die Hälfte aller Module frei gewählt werden könnte. Ca. 30 % der Studierenden wünscht sich ein stärker vordefiniertes Studium, fast jede*r fünfte Student*in wünscht sich dagegen noch größere Freiheitsgrade.
  • Studierende versprechen sich von einem höheren Anteil selbst wählbarer Module sowohl eine höhere Studienmotivation (und dadurch einen höheren Lernertrag) als auch eine bessere Qualifizierung für ihre je eigenen Berufsziele.
  • Es gibt aber auch Bedenken, die zum einen aus Ängsten vor einer Überforderung mit Wahlsituationen resultieren, zum anderen aus Sorgen vor einer Entwertung oder einer reduzierten Aussagekraft des eigenen Studienabschlusses.
  • In vielen Antworten wird letztlich für ein stärker vorstrukturiertes Grundstudium und zunehmende Wahloptionen in höheren Semestern (oder im Master-Studium) votiert. Umgekehrt erscheint insbesondere bei stark spezialisierten Master-Studiengängen die Einführung umfangreicher Wahloptionen weder zielführend noch ohne weiteres möglich.

Wahlpflichtoptionen und Vertiefungsrichtungen

  • Viele Studierende sind sowohl mit der Anzahl der Wahlpflichtslots als auch mit dem zur Auswahl stehenden Angebot zufrieden (ca. 58 %). Fast ein Drittel wünscht sich jedoch eine Ausweitung der Wahlpflichtoptionen. Der Handlungsbedarf ist dabei in den verschiedenen Fachbereichen sehr unterschiedlich. In einzelnen Fachbereichen halten 2/3 der Studierenden das Wahlpflichtangebot für ausbaubedürftig oder zumindest ausbaufähig.
  • Bei der Auswahl ihrer Wahlpflichtmodule, aber auch bei der Entscheidung für eine Vertiefungsrichtung bewerten Studierende insbesondere Erfahrungsberichte anderer Studierenden als (sehr) hilfreich. Die Informationsveranstaltungen des Fachbereichs - hochschulweit auf Platz 2 rangierend - werden dagegen von Fachbereich zu Fachbereich höchst unterschiedlich eingeschätzt. Hier scheint es teilweise Verbesserungspotential zu geben.
  • Manche Studierende möchten im späteren Studienverlauf ihre Wahl für eine Vertiefungsrichtung korrigieren oder Elemente anderer Vertiefungsrichtungen integrieren. Es wäre wünschenswert, wenn es hierfür Verfahren gäbe, die nicht zwangsläufig mit einer Studienzeitverlängerung verbunden wären.

Anrechnung und Anerkennung

  • Gut 17 % unserer Studierenden haben bereits versucht oder beabsichtigen, sich vor dem Studium erbrachte Leistungen anerkennen oder anrechnen zu lassen. Bei den bereits abgeschlossenen Verfahren entfallen 70 % auf die Anerkennung anderer Studienleistungen.
  • Zwar kann die Mehrzahl der Studierenden das Ergebnis des Verfahrens nachvollziehen, überwiegend ist auch der Ausgang wie erwartet. Jedoch gibt es hier deutliche Unterschiede zwischen den Fachbereichen.
  • Hochschulweit empfanden 58 % der Studierenden die Prozesse der Anrechnung und Anerkennung als transparent. Aus den Verbesserungsvorschlägen ergibt sich zudem, dass viele Studierende die Option insbesondere der Anerkennung von andernorts erbrachten Leistungen während des Studiums gar nicht kennen.

Interdisziplinäre Lehre

  • Fast 19 % der Teilnehmer*innen haben bereits an mindestens einer interdisziplinären Lehrveranstaltung teilgenommen. Mehr als zwei Drittel von ihnen würden eine solche Gelegenheit auch ihren anderen Kommiliton*innen empfehlen. Unter den Studierenden, die diese Veranstaltungen selbst gewählt haben, liegt die Weiterempfehlungsquote sogar bei fast 80 %.
  • Als Argumente für diese Empfehlungen werden vor allem der Wert der persönlichen Horizonterweiterung genannt sowie die Förderung von Teamarbeit und allgemein Berufsbefähigung. Als Gegenargumente wird teils auf eine weniger gelungene Umsetzung der dadurch nur vermeintlich interdisziplinären Kurse hingewiesen sowie auf unklare Bezüge zu den eigenen Studienzielen.
  • Von den Studierenden, die bisher keine Berührungspunkte zu fächerübergreifender Lehre hatten, hatten die allermeisten bisher keine Gelegenheit dazu: Ihnen waren keine entsprechenden Angebote bekannt. Nur knapp 6 % äußerten explizit kein Interesse an interdisziplinären Lehrveranstaltungen.

Beratung

  • Mehr als jede*r fünfte Teilnehmer*in unserer Befragung hat bereits ein Angebot der Studienberatung wahrgenommen, wobei wir in der Umfrage aus Platzgründen nicht weiter nach den unterschiedlichen Anbietenden (Fachbereiche, ZSB, IO...) unterschieden haben.
  • Die Beratungsanliegen verteilten sich ungefähr hälftig auf eher fachliche bzw. eher persönliche Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe.
  • In Freitextantworten äußerten die Studierenden verschiedene Anregungen zur Weiterentwicklung des Beratungsangebots. Dabei entfiel eine hohe Zahl der Vorschläge auf eine bessere Unterstützung bei Weichenstellungen im Lern- oder Lebensweg. Hier geht es in großer Zahl um den Übergang in den Beruf - Studierende wünschen sich Erfahrungsberichte von Alumni und einen klareren Überblick über Jobperspektiven -, aber auch - wohl auch motiviert durch den Kontext der Umfrage - um die Wahl von Vertiefungsrichtungen, um Anrechnungsmöglichkeiten, Studiengangswechsel und Auslandsaufenthalte.

Verbreitung der Evaluationsergebnisse

Die Ergebnisse der Aufenthaltsqualität wurden Mitte 2022 mit dem Ziel, allen Interessierten Mitarbeiter*innen der FH Münster einen ersten Überblick über die hochschulweit relevanten Interessen der Studierenden zu vermitteln, vorgestellt.

Im Oktober 2022 fand eine Sichtung des hochschulweiten Reports durch das Präsidium statt. 

Im November 2022 wurden den Dekanen und QM-Beauftragten aller Fachbereiche jeweils spezifische Fachbereichsreports zur Diskussion zur Verfügung gestellt.

Hochschulmitarbeiter*innen können darüber hinaus im QLS Portal den hochschulweiten Ergebnisreport, sowie ausführliche Präsentation  mit Grafiken und Zitaten zu jedem Themenfeld sichten.

Nutzung der Evaluationsergebnisse

Die Evaluationsergebnisse ergänzen und bereichern die Befunde aus Workshops mit Studierenden (Innovation Hacks), die stetigen Rückmeldungen aus dem studentischen Sounding Boards und finden Eingang in diverse Workshops wie zuletzt zur baulichen Gestaltung in Steinfurt Ende Oktober. Sie bilden die Grundlage zum Austausch mit Fachbereichen und Serviceeinrichtungen immer wenn es um Fragen zur Gestaltung von Lernorten und Lernwegen geht.
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