Anna Rechenberger (l.) und Dr. Nicole Rogge kommen immer wieder gerne in den Campusgarten, wie hier beim letzten Sommerfest im Juli 2019.
Anna Rechenberger (l.) und Dr. Nicole Rogge kommen immer wieder gerne in den Campusgarten, wie hier beim letzten Sommerfest im Juli 2019. (Foto: FH Münster/OEF)

 

24. November 2021 | Es ist ein Tag im Frühjahr 2012: Zwei Frauen unterhalten sich auf einem WG-Balkon, eine kümmert sich um die Pflanzen. Beide freuen sich, dass alles um sie herum blüht. Ein Garten für ihre Hochschule, mit dem sich brachliegende Flächen sinnvoll nutzen lassen, wäre doch toll, sagt eine von ihnen spontan im Gespräch.

Die Idee war geboren. Anna Rechenberger und Dr. Nicole Rogge studierten damals gemeinsam an unserer Hochschule im Master Nachhaltige Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft. Von den ökologischen und sozialen Vorteilen der Gemeinschaftsgärten waren sie seit einiger Zeit überzeugt. Anna Rechenberger erfuhr das erste Mal in ihrem Bachelorstudium der Oecotrophologie von urbaner Landwirtschaft. Einige Jahre zuvor war der Prinzessinnengarten in Berlin entstanden, schon in den 70er-Jahren waren die ersten Gemeinschaftsgärten in den USA aufgekommen. "Es hat uns nicht mehr gereicht, nur über Urban Gardening zu lesen, wir wollten es selbst machen, unseren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten", sagt Anna Rechenberger. Voller Tatendrang erzählten Nicole Rogge und Anna Rechenberger der Professorin Dr. Carola Strassner von dem Plan. Die Hochschullehrerin vom Fachbereich Oecotrophologie · Facility Management (OEF) fand ihn gut, riet ihnen aber, zunächst ein Konzept zu machen. Die Studentinnen machten es zum Thema ihrer Projektarbeit, die Strassner betreute.

 

Im Video erzählen Nicole Rogge, Anna Rechenberger und andere, warum sie sich für den Campusgarten engagieren. Das Video ist aus dem April 2014.

 

Hilfe von allen Seiten

Mehr als ein Jahr später rollten Laster heran, um Tonnen von Erde auf dem Leonardo-Campus abzuladen. Auf einer 1300 Quadratmeter großen Fläche hinter dem FH-Fachbereich Design sollte der Campusgarten "GrüneBeete" entstehen. "Dass es überhaupt so weit gekommen war, haben wir vielen, vielen Menschen zu verdanken", sagt Anna Rechenberger. Die größte Hürde sei es gewesen, eine passende Fläche zu finden. Hinter dem Fachhochschulzentrum wäre es aus ihrer Sicht ideal gewesen, doch das Areal war für Parkplätze vorgesehen. Der FH-AStA und das FH-Gebäudemanagement hatten den beiden geholfen, die Fläche auf dem Leonardo-Campus zu finden.

Die Campus-Nachbarn, zu denen die Fachbereiche Design und Architektur, die Bibliothek sowie die Kunstakademie gehören, bezogen sie von Anfang an ein. "Eines Morgens standen plötzlich Gartenstühle da. Eine Mitarbeiterin der Bibliothek hatte sie abgestellt", sagt Nicole Rogge. Von anderen Gärten bekamen sie Hochbeete und Geräte, die Erde hatten die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster zur Verfügung gestellt. Übers Studium generale vermittelte Gabriele Welsch-Wacker Oecotrophologie-Studierende, die beim Aufbau mitmachten.

"Ein unglaubliches Gefühl"

Den Aufbauprozess evaluierte Rogge wissenschaftlich in ihrer Masterarbeit, die Prof. Dr. Carola Strassner und Prof. Dr. Joachim Gardemann betreuten. Es sei ein unglaubliches Gefühl gewesen, dass da ein ganzer Campusgarten entsteht, der auf ihre Idee vom Balkon zurückging. "Er war wie unser Baby", sagt Anna Rechenberger.

Seit 2014 wachsen auf dem Leonardo-Campus Obst, Gemüse, Kräuter und Blumen. Alle, die Freude am gemeinsamen Gärtnern haben, treffen sich, um ihn zu bewirtschaften. Nicole Rogge, Anna Rechenberger und andere gründeten einen Verein, den GrüneBeete e. V., um den  Garten dauerhaft zu etablieren. "Rund um den Garten ist eine große Gemeinschaft entstanden", erzählt Nicole Rogge. Der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit urbaner Landwirtschaft ist sie auch nach ihrem Studium treu geblieben. Seit 2020 trägt sie einen Doktortitel in Agrarwissenschaften, soziale Prozesse in Gemeinschaftsgärten waren das Thema ihrer Promotion, die von Strassner und Prof. Dr. Insa Theesfeld von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg betreut wurde.

In Berlin bauen sie wieder einen Gemeinschaftsgarten auf

In den Campusgarten kehren Anna Rechenberger und Dr. Nicole Rogge immer wieder gerne zurück. Das jährliche Sommerfest des Campusgartens ist immer in ihrem Terminkalender eingetragen, obwohl sie inzwischen in Berlin wohnen. "Wir sind natürlich neugierig, wie unser Baby sich weiterentwickelt", so Dr. Nicole Rogge. Das letzte Mal waren sie 2019 da, da wurde der Pavillon eingeweiht, den zwei Architekturstudenten gebaut hatten. Zwei Mal in Folge ist das Sommerfest nun wegen der Pandemie ausgefallen. Beim nächsten Mal wollen sie wieder dabei sein. "Wenn wir 80 sind und es den Campusgarten immer noch gibt, dann sind wir richtig stolz", sagt die 33-jährige Dr. Nicole Rogge und lacht.

In Berlin leben die beiden nun zusammen. Auch in der Hauptstadt bauen sie nebenbei einen Gemeinschaftsgarten auf, in Neukölln entsteht er. Das Know-how bringen sie aus Münster mit, sowohl das wissenschaftliche als auch das praktische.

 

50 Jahre FH Münster:

2021 feiert die FH Münster ihren 50. Geburtstag und nimmt das zum Anlass, auf besondere Ereignisse in ihrer Geschichte zu schauen. 1971 gab es auch unseren Fachbereich schon, der damals noch Fachbereich Ernährung und Hauswirtschaft hieß. 1996 wurde er zum Fachbereich Oecotrophologie und seit 2011 sind wir der Fachbereich Oecotrophologie · Facility Management.

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